Mineralien zum Trinken – FOCUS Online

Aus knapp 200 Quellen stammt das Wasser, das deutsche Mineralwasserunternehmen in Flaschen abfüllen. Pro Jahr trinkt jeder Deutsche rund 148 Liter davon, ein Markt mit einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro.

Welches Mineralwasser passt zu mir?

 „Dafür reicht ein Blick auf das Etikett. Es informiert über den Gehalt[1] an Mineralien“, sagt Ralf Brodnicki, geprüfter Wasser-Sommelier und Geschäftsführer für Marketing beim oberpfälzischen Mineralwasserunternehmen Kondrauer. Aber was davon benötigt der Körper wirklich? „Normalerweise deckt ein gesunder Mensch, der sich ausgewogen ernährt, seinen Mineralienbedarf über die Nahrung“, erklärt Olaf Adam, Präsident der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin. Wer lieber Mineral- als Leitungswasser trinkt[2], schadet seinem Körper in der Regel nicht, denn ein Zuviel an Mineralien scheidet der Körper wieder aus. Aufpassen müssen laut Adam Menschen mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Trinken Nierenpatienten etwa zu viel kaliumreiches Mineralwasser, schnellt ihr Kaliumwert im Blut besorgniserregend nach oben (Hyperkaliämie). Wer sich vegan[3] ernährt, profitiert von Wasser, das reich ist an Eisen und Calcium. Vieles ist Geschmackssache: Natrium bringt eine salzige Note ins Wasser. Magnesium[4] und Chlorid machen es minimal bitter. Sulfat wirkt herb-bitter auf der Zunge.

Wie hilft Heilwasser gegen Krankheiten?

Der Begriff Heilwasser ist geschützt und darf nur nach Genehmigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf dem Etikett geführt werden. Die heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung der enthaltenen Mineralien und Spurenelemente[5] muss durch Studien nachgewiesen werden. Heilwässer können je nach Zusammensetzung Galle, Leber und Verdauung unterstützen. Calciumreiches Heilwasser kann bei Gefahr von Osteoporose den Körper mit dem für den Knochenaufbau wichtigen Mineral versorgen.

Ist teures Mineralwasser besser als billiges?

Leider nein, sagt Sommelier Arno Steguweit: „Teures Wasser ist nicht automatisch auch seinen Preis wert.“ Die Abfüllkosten sind bei jedem Mineralbrunnen in etwa gleich hoch. Was der Kunde beim teuren Wasser zusätzlich bezahlt, sind Marke, Marketing und Transport. Ein natürliches Produkt aus der Region hält Steguweit meist für das mit Abstand beste Mineralwasser.

Geben Plastikflaschen gefährliche Stoffe an das Wasser ab?

Kunststoffe aus PET (Polyethylenterephtalat) machen heute einen Großteil der Verpackung von Getränken aus. Wie bei allen Verpackungen und den darin enthaltenen Lebensmitteln kommt es zu Wechselwirkungen. Auch bei PET-Wasserflaschen wandern Stoffe aus dem Kunststoff ins Getränk (Migration). Allerdings nur in sehr geringem Umfang. Laut Frank Welle, Chemiker vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, gilt generell: „Je kürzer die Flasche gelagert wird, je niedriger die Lagertemperatur und je weniger UV-Licht die Flasche ausgesetzt ist, desto geringer die Migration.“ Einer der unerwünschten Stoffe ist Acetaldehyd, ein Nebenprodukt bei der Herstellung von PET.

Bereits eine Konzentration von 0,02 Milligramm Acetaldehyd pro Liter Wasser kann der Mensch am süßlichen Geschmack erkennen. Der typische Migrationswert in PET-Flaschen[6] liegt bei unter 0,01 Milligramm pro Liter und damit unterhalb der Geschmacksschwelle; bei falscher Lagerung kann der Wert auf 0,03 bis 0,04 Milligramm pro Liter steigen. „Spuren von Acetaldehyd im Getränk sind gesundheitlich unbedenklich“, erklärt Chemiker Welle. Innerhalb der EU gilt für Acetaldehyd ein Migrationsgrenzwert aus Verpackungen in Lebensmitteln von sechs Milligramm pro Liter oder Kilogramm. Zum Vergleich: Die natürliche Acetaldehyd-Konzentration in Brot liegt bei 4,9 bis 10 Milligramm pro Kilogramm, bei Orangensaft bei 0,7 bis 192 Milligramm pro Liter. Das gefürchtete Bisphenol A, eine als hormonaktiv eingestufte Substanz, wird zur Herstellung von PET-Flaschen nicht verwendet und kann deshalb auch nicht ins Mineralwasser übergehen. Das Gleiche gilt für Weichmacher: Da PET-Flaschen ja besonders hart und steif sein sollen, sind keine sogenannten Phthalate darin enthalten.

Wie ökologisch ist Wasser aus Flaschen?

Wasser, das abgefüllt, erst in den Handel und schließlich nach Hause transportiert wird, hat einen deutlich grö- ßeren ökologischen Fußabdruck als Leitungswasser. Hier gilt: Mehrweg ist umweltfreundlicher als Einweg[7]. Dabei, so das Umweltbundesamt, spielt es keine Rolle, ob die Flasche aus Kunststoff oder Glas besteht. Mehrweg-Glasflaschen können bis zu 50-mal, Mehrweg-PET-Flaschen bis zu 25-mal wiederbefüllt werden. Aus Sicht des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg ist die PET-Mehrwegflasche die ökologisch günstigste Verpackung. Weil sie leichter ist als Glas, verringern sich die Transportemissionen. Die Mehrweg-Glasflasche wiederum ist den Getränkedosen und PET-Einwegflaschen vorzuziehen. Einweg-Glasflaschen haben eine besonders ungünstige Umweltbilanz. Getränkekartons gelten seit dem neuen Verpackungsgesetz nicht mehr als ökologisch vorteilhaft.

Warum hat Mineralwasser ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

 Ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist in Deutschland[8] für jedes Lebensmittel vorgeschrieben, auch wenn dieses keine Substanzen enthält, die schimmeln oder gären können. Wie lange diese Frist ist, hängt auch von der Verpackung ab: „Für unser Mineralwasser in der Glasflasche weisen wir zwei Jahre aus, für unser Mineralwasser in der PET ein Jahr“, erklärt Kondrauer-Vertriebschef Ralf Brodnicki. PET ist nicht gasdicht. Das Kohlendioxid entweicht allmählich, das Wasser schmeckt schal. Gesundheitlich unbedenklich ist Mineralwasser auch nach Ablauf des Verfallsdatums. Einmal geöffnete Wasserflaschen sollten verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Bakterien vom Flaschenrand können sich so nicht gut vermehren, die konservierende Kohlensäure bleibt erhalten.

Wie liefern Quellen über Jahrzehnte hinweg Millionen Liter von Wasser?

Viele der 840 deutschen Mineralwasserquellen werden bereits seit vielen Hundert Jahren genutzt: 1281 entdeckten Zisterzienser etwa eine der insgesamt vier Quellen des Mineralwasserunternehmens Kondrauer. Bis heute sprudelt die Quelle aus 282 Meter Tiefe. Die Informationszentrale Deutsches Mineralwasser verweist auf die hohen Niederschläge in Deutschland. Durch den Regen dringt immer neues Wasser in den Boden und macht sich auf seinen Weg durchs Gestein. Eine Entnahmeregelung stellt sicher, dass die Mineralbrunnenbetriebe täglich nur so viel Mineralwasser abfüllen, wie auf natürliche Weise nachsickern kann. In der Regel holen sich

Mineralwasserproduzenten ihre Ware aus mehreren Quellen, die Gerolsteiner Brunnen GmbH beispielsweise aus mehr als 20 Quellen, teils in mehreren Hundert Meter Tiefe. Pro Tag werden in Gerolstein 3,5 Millionen Flaschen an natürlichem Mineralwasser und Getränken auf Mineralwasserbasis[9] abgefüllt, und doch liegt das Unternehmen damit noch sicher unter der festgelegten Entnahmemenge. Schier unerschöpflich scheint auch die Quelle eines der berühmtesten Mineralwässer der Welt. Das Unternehmen San Pellegrino aus der Nähe von Bergamo am Fuß der italienischen[10] Alpen verkaufte im Jahr seiner Gründung 1899 gut 35000 Flaschen mit dem roten Stern. 2016 war es eine Milliarde.

Teil 2 im nächsten FOCUS: „Die Aquakalypse“

Nur ein Bruchteil des Wassers auf der Erde kann der Mensch nutzen. Raubbau und Verschmutzung vernichten die Reservoirs. Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es drohen deshalb Kriege, Wassernot treibt Menschen in die Flucht, der Klimawandel wird die Konflikte noch verschärfen. Wie können wir das Weltproblem lösen?

Quelle:

www.focus.de

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