Ukraine-Hilfe: Kleine Kinder und große Taten – Nachrichten … – Augsburger Allgemeine

Damit ihr kleiner Bruder Illia wieder gesund wird, musste Natalia einiges aufopfern. Mit nur 13 Jahren hat sie den Haushalt geschmissen, gekocht und dafür die Schule geschwänzt. Ihr Vater fuhr monatelang zum Arbeiten von der Ukraine[1] nach Moskau, damit die Familie die Behandlungskosten für Illia bezahlen kann. Doch all das reichte nicht.

Vergangenen Oktober dann holte Marianne Richter[2] aus Kicklingen den 10-jährigen Illia mit seiner Mutter Raisa Kravchuk nach Deutschland. Seit der Geburt leidete Illia an Morbus Hirschsprung – einer seltenen Erkrankung des Dickdarms. Er konnte nicht normal auf die Toilette gehen, da ihm Nervenzellen im Enddarm fehlten. Das machte ein normales, soziales Leben unmöglich. „Mir ist wichtig, dass lebensrettende Maßnahmen vollzogen werden, damit die Kinder ein schmerzfreies Leben führen können“, erklärt Marianne Richter. Deshalb brachte sie auch dieses Mal wieder viel Kraft und Energie auf.

Illia wurde in der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg von Chefarzt Maximilian Stehr und seinem Team kostenfrei operiert. Allerdings musste die erste Operation aufgrund einer Fistel, die sich im Laufe der Jahre am Dickdarm gebildet hatte, abgebrochen werden. Insgesamt sechs Operationen musste der Zehnjährige über sich ergehen lassen, bis er wieder vollständig gesund war. Während seiner Genesung lebte er mit seiner Mutter lange Zeit bei Marianne Richter in Kicklingen. „Er war ein ganz helles Köpfchen“, erzählt sie. Über Internet und Telefon kommunizierte er mit seiner Lehrerin in der Ukraine, um den Schulstoff nachholen zu können.

Seit vielen Jahren holt Marianne Richter immer wieder Kinder mit seltenen Krankheiten nach Deutschland[3], die man in der Ukraine nicht heilen kann. Dabei ist sie besonders auf Unterstützung von außen angewiesen. Denn durch die aufwendigen Operationen, längeren Krankenhausaufenthalte und vieles mehr kommen pro Kind Kosten von mehreren Zehntausend Euro zusammen. Durch private Sponsoren und Spendengeldern der Organisation „Ein Herz für Kinder“, der Marianne-Strauß-Stiftung, der Franz-Beckenbauer-Stiftung sowie der Uwe-Seeler-Stiftung und der Organisation „Zuversicht für Kinder“ versucht Richter die Kosten zu decken.

Trotzdem ist das nicht immer möglich, und so müsse sie auch manchmal mit ihrem Privatguthaben bürgen. Angefangen hat ihr besonderes Engagement für die Kinder im Jahr 2005, als sie mit dem damaligen Dillinger Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl[4] in die Ukraine reiste. Als Weigl ein Kind mit Blasenekstrophie sah (dabei befindet sich die Blase außerhalb des Körpers, was zu einem Nierenstau führt), meinte er „diesem Kind muss man helfen“. Seitdem holte Marianne Richter insgesamt 13 schwerkranke Kinder nach Deutschland. Neben Kindern mit Blasenekstrophie, gab es auch schon zweigeschlechtliche Kinder. Diese können genetisch, anatomisch und hormonell nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Im Herbst kommt wieder ein Junge, der aber genetisch ein Mädchen ist, zu Marianne Richter.

Vor knapp zwei Wochen reiste Illia zurück in die Heimat. „Mir ist dieser Abschied besonders schwergefallen, weil der Junge sehr lange bei mir war.“ Allerdings steht Marianne Richter immer mit den Kindern, denen sie schon geholfen hat, in Kontakt. Zudem fährt die engagierte Helferin öfter in die Ukraine und bringt den Kindern Kleidung, Schokolade und Spielsachen mit.

Von den Familien, die sie unterstützt, möchte sie „keinen Dank, sondern nur Achtung“. Auch ihrer eigenen Familie wird viel abverlangt, doch es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen, sagt Marianne Richter, die sich schon seit 1991 in der Ukraine-Hilfe Dillingen, die sie selbst ins Leben gerufen hat, engagiert. Dabei bekommt sie Unterstützung vom Landratsamt und auch von der Stadt Dillingen. Erst vergangenen Herbst transportierte sie wieder zwischen 16 und 21 Tonnen Hilfsgüter nach Beresne in der Ukraine. Daneben organisiert Marianne Richter dieses Jahr den dritten Schüleraustausch. Zehn Jugendliche aus der Ukraine zwischen zehn und 13 Jahren kommen für etwa eine Woche nach Deutschland. Im Rahmen eines Förderprogramms besuchen sie für einen Tag die Schule in Wertingen oder Höchstädt, „um zu sehen, wie bei uns Schule funktioniert“. Daneben stehen Fahrten ins Legoland und nach München auf dem Programm.

Fußnoten:

  1. ^ Ukraine (www.augsburger-allgemeine.de)
  2. ^ Marianne Richter (www.augsburger-allgemeine.de)
  3. ^ Deutschland (www.augsburger-allgemeine.de)
  4. ^ Hans-Jürgen Weigl (www.augsburger-allgemeine.de)

Diese Krankheiten werden beim Küssen übertragen – t-online.de

Ein Kuss[1] ist ein Zeichen der Hingabe, des Vertrauens und der Freude. Doch Küssen[2] kann auch krank machen: Bis zu 22.000 Bakterien und Keime können bei einem leidenschaftlichen Kuss übertragen werden – darunter auch hochansteckende Erreger. Mit diesen Krankheiten können Sie sich beim intensiven Küssen anstecken.

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Erkältung und Grippe & Co. durch Küssen

Beim Küssen kann man sich mit verschiedenen Bakterien und Viren anstecken, die durch die Schleimhäute und Tröpfeninfektion übertragen werden. So zum Beispiel auch mit Herpes oder Grippeviren. Ist Ihre Immunabwehr stark, muss der Kuss Ihres verschnupften Partners aber nicht zwangsläufig zu einer Erkältung führen.

Tripperinfektion möglich

Tripper wird durch Geschlechtsverkehr übertragen, man kann sich aber auch beim Küssen infizieren. Die weltweit am häufigsten verbreitete Geschlechtskrankheit lässt sich zwar mit Antibiotika behandeln, doch zunehmend werden die Erreger dagegen resistent. Der beste Schutz vor der Infektion ist Sex mit Kondom.

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Die Bakterien können neben den Schleimhäuten von Harnröhre und Gebärmutterhals auch Enddarm oder Rachen besiedeln und durch entsprechende Sexualpraktiken wie etwa Oralverkehr übertragen werden. Sind Hals- und Rachenraum befallen, kann sich der Kusspartner anstecken.

Syphilis-Erreger durch Hautverletzungen übertragbar

Die Übertragung von Syphilis erfordert ebenfalls engen körperlichen Kontakt. Die Geschlechtskrankheit wird beim sexuellen Kontakt übertragen. Prinzipiell kann aber jede Art von Schleimhautkontakt zur Übertragung führen. Der hochansteckende Erreger nutzt kleinste Haut- oder Schleimhautverletzungen in Vagina, Mundhöhle oder Anus, um in den Körper einzudringen. Syphilis kann also auch durch Oralverkehr und Küssen übertragen werden.

Hepatitis B durch Körperflüssigkeiten übertragbar

Bei Hepatitis B kann die Übertragung über Blut oder andere Körperflüssigkeiten erfolgen, wie Speichel, Urin, Vaginalsekret oder Samenflüssigkeit sowie Tränen. Die Erreger dringen auch durch kleinste Verletzungen der Haut in den Körper ein und schädigen die Leber.

Die meisten Menschen stecken sich zwar über sexuelle Kontakte an, doch auch intensives Küssen kommt als Übertragungsweg infrage. Beim Kontakt mit Infizierten sollte man Hygieneartikeln, wie Nagelscheren oder Rasierer, nicht gemeinsam benutzen.

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Bei Mundsoor reicht ein Kuss

Mundsoor ist ein Pilzbefall im Mund und äußert sich durch eine starke Rötung mit weißen Flecken auf der Zunge und auf der Innenseite der Wangen. Der Belag lässt sich schwer abwischen. Darunter befinden sich zum Teil blutige Hautstellen. In schweren Fällen kann der Befall bis in die Speiseröhre reichen.

Begleitend treten oft ein Brennen im Mundraum, ein unangenehmer Geschmack und Schluckbeschwerden auf. Gelangt eine ausreichende Keimmenge in den Mundraum, kann sich der Pilzbefall schnell ausbreiten. Beim Küssen kann die Infektion weitergegeben werden.

Papillomviren können Rachenkrebs verursachen

Auch die sogenannten Humanen Papillomviren (HPV) können beim Küssen und beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Diese Viren werden hauptsächlich für Genitalwarzen und Gebärmutterhalskrebs verantwortlich gemacht. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist daran erster Linie der aggressive Virustyp HPV 16 Schuld.

Forscher fanden auch einen Zusammenhang von HPV und Mund- und Rachenkrebs. Verantwortlich hierfür sei eine Zunahme von Oralverkehr und somit eine Verbreitung der Viren vom Genitalbereich auf den Mund- und Rachenraum.

HI-Virus im Speichel ist zu gering für Übertragung

Beim Küssen kann man sich in der Regel nicht mit dem HI-Virus anstecken. Das HI-Virus kann nur übertragen werden, wenn es in ausreichender Menge in die Blutbahn oder auf die Schleimhäute gelangt.

Laut der Deutschen Aids-Hilfe ist das Virus sehr empfindlich und außerhalb des menschlichen Körpers unter Alltagsbedingungen nicht überlebensfähig. HI-Viren[3] sind zwar auch in Urin, Kot, Speichel, Schweiß und Tränenflüssigkeit nachgewiesen, jedoch nur in sehr geringer Menge. Für eine Ansteckung reicht das in der Regel nicht aus.

Lust am Küssen beibehalten!

Trotz alledem: Küssen macht Spaß und bringt Menschen zusammen – deshalb sollte man sich diese schöne Tätigkeit nicht verderben lassen. Ist das Immunsystem stark, sollte man sich nicht übermäßig sorgen. Außerdem teilt man diese innige Erlebnis auch nicht mit jedem, sondern vorzugsweise mit dem Partner, den man gut kennt.

Fußnoten:

  1. ^ Kuss (www.t-online.de)
  2. ^ Küssen (www.t-online.de)
  3. ^ HI-Viren (www.t-online.de)

Dr. Dehnst über die Schilddrüse – IKZ

Hemer.   Der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie Dr. med. Joachim Dehnst hält am Mittwoch,17. Mai, um 18 Uhr einen Vortrag zu „Erkrankungen der Schilddrüse“.

Der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie Dr. med. Joachim Dehnst hält am Mittwoch,17. Mai, um 18 Uhr einen Vortrag zu „Erkrankungen der Schilddrüse“.

Der Mediziner ist ein Spezialist auf den Gebieten der Schilddrüsen-Erkrankungen, Kolonproktologie (Enddarm- und Afterchirurgie) und Hernienchirurgie (Bauchwandbrüche).

Die Schilddrüse sitzt unterhalb des Kehlkopfes. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, wichtige Hormone zu produzieren. Diese Hormone spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel und haben Einfluss auf lebenswichtige Vorgänge im Körper. Zum Beispiel erhöhen sie den Fettstoffwechsel, die Schweißproduktion und die Darmtätigkeit. Sie wirken aber auch auf das Herzkreislauf-System, indem sie die Blutgefäße erweitern, den Herzschlag beschleunigen und den Blutdruck erhöhen. Fast jeder zweite Deutsche leidet an einer Schilddrüsenerkrankung. Insbesondere chronische Schilddrüsenkrankheiten sind für Betroffene sehr belastend. Dr. Dehnst informiert über Möglichkeiten der Diagnose und Therapie.

Der Vortrag findet im Mehrzweckraum der Paracelsus-Klinik statt. Der Eintritt ist kostenlos.

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Ukraine-Hilfe: Kleine Kinder und große Taten – Augsburger Allgemeine

 Damit ihr kleiner Bruder Illia wieder gesund wird, musste Natalia einiges aufopfern. Mit nur 13 Jahren hat sie den Haushalt geschmissen, gekocht und dafür die Schule geschwänzt. Ihr Vater fuhr monatelang zum Arbeiten von der Ukraine[1] nach Moskau, damit die Familie die Behandlungskosten für Illia bezahlen kann. Doch all das reichte nicht.

Vergangenen Oktober dann holte Marianne Richter[2] aus Kicklingen den 10-jährigen Illia mit seiner Mutter Raisa Kravchuk nach Deutschland. Seit der Geburt leidete Illia an Morbus Hirschsprung – einer seltenen Erkrankung des Dickdarms. Er konnte nicht normal auf die Toilette gehen, da ihm Nervenzellen im Enddarm fehlten. Das machte ein normales, soziales Leben unmöglich. „Mir ist wichtig, dass lebensrettende Maßnahmen vollzogen werden, damit die Kinder ein schmerzfreies Leben führen können“, erklärt Marianne Richter. Deshalb brachte sie auch dieses Mal wieder viel Kraft und Energie auf.

Illia wurde in der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg von Chefarzt Maximilian Stehr und seinem Team kostenfrei operiert. Allerdings musste die erste Operation aufgrund einer Fistel, die sich im Laufe der Jahre am Dickdarm gebildet hatte, abgebrochen werden. Insgesamt sechs Operationen musste der Zehnjährige über sich ergehen lassen, bis er wieder vollständig gesund war. Während seiner Genesung lebte er mit seiner Mutter lange Zeit bei Marianne Richter in Kicklingen. „Er war ein ganz helles Köpfchen“, erzählt sie. Über Internet und Telefon kommunizierte er mit seiner Lehrerin in der Ukraine, um den Schulstoff nachholen zu können.

Seit vielen Jahren holt Marianne Richter immer wieder Kinder mit seltenen Krankheiten nach Deutschland[3], die man in der Ukraine nicht heilen kann. Dabei ist sie besonders auf Unterstützung von außen angewiesen. Denn durch die aufwendigen Operationen, längeren Krankenhausaufenthalte und vieles mehr kommen pro Kind Kosten von mehreren Zehntausend Euro zusammen. Durch private Sponsoren und Spendengeldern der Organisation „Ein Herz für Kinder“, der Marianne-Strauß-Stiftung, der Franz-Beckenbauer-Stiftung sowie der Uwe-Seeler-Stiftung und der Organisation „Zuversicht für Kinder“ versucht Richter die Kosten zu decken.

Trotzdem ist das nicht immer möglich, und so müsse sie auch manchmal mit ihrem Privatguthaben bürgen. Angefangen hat ihr besonderes Engagement für die Kinder im Jahr 2005, als sie mit dem damaligen Dillinger Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl[4] in die Ukraine reiste. Als Weigl ein Kind mit Blasenekstrophie sah (dabei befindet sich die Blase außerhalb des Körpers, was zu einem Nierenstau führt), meinte er „diesem Kind muss man helfen“. Seitdem holte Marianne Richter insgesamt 13 schwerkranke Kinder nach Deutschland. Neben Kindern mit Blasenekstrophie, gab es auch schon zweigeschlechtliche Kinder. Diese können genetisch, anatomisch und hormonell nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Im Herbst kommt wieder ein Junge, der aber genetisch ein Mädchen ist, zu Marianne Richter.

Vor knapp zwei Wochen reiste Illia zurück in die Heimat. „Mir ist dieser Abschied besonders schwergefallen, weil der Junge sehr lange bei mir war.“ Allerdings steht Marianne Richter immer mit den Kindern, denen sie schon geholfen hat, in Kontakt. Zudem fährt die engagierte Helferin öfter in die Ukraine und bringt den Kindern Kleidung, Schokolade und Spielsachen mit.

Von den Familien, die sie unterstützt, möchte sie „keinen Dank, sondern nur Achtung“. Auch ihrer eigenen Familie wird viel abverlangt, doch es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen, sagt Marianne Richter, die sich schon seit 1991 in der Ukraine-Hilfe Dillingen, die sie selbst ins Leben gerufen hat, engagiert. Dabei bekommt sie Unterstützung vom Landratsamt und auch von der Stadt Dillingen. Erst vergangenen Herbst transportierte sie wieder zwischen 16 und 21 Tonnen Hilfsgüter nach Beresne in der Ukraine. Daneben organisiert Marianne Richter dieses Jahr den dritten Schüleraustausch. Zehn Jugendliche aus der Ukraine zwischen zehn und 13 Jahren kommen für etwa eine Woche nach Deutschland. Im Rahmen eines Förderprogramms besuchen sie für einen Tag die Schule in Wertingen oder Höchstädt, „um zu sehen, wie bei uns Schule funktioniert“. Daneben stehen Fahrten ins Legoland und nach München auf dem Programm.

Fußnoten:

  1. ^ Ukraine (www.augsburger-allgemeine.de)
  2. ^ Marianne Richter (www.augsburger-allgemeine.de)
  3. ^ Deutschland (www.augsburger-allgemeine.de)
  4. ^ Hans-Jürgen Weigl (www.augsburger-allgemeine.de)

Zurück zur Lebensqualität – Nibelungen Kurier

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Rheinhessen zertifiziert / Fachbereichsübergreifendes Expertennetzwerk bietet bestmögliche Betreuung

Von links: Prof. Dr. Georg Hofmockel, Chefarzt Klinik für Urologie und Kinderurologie; Georg Crayen, Koordinator Kontinenz- und Beckenbodenzentrum; Prof. Dr. Thomas Hitschold, Chefarzt Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und PD Dr. Markus Hirschburger, Chefarzt Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie.

Bundesweit leiden ca. 9 Millionen Menschen (10 Prozent der Bevölkerung) an unwillkürlichem Harn- und/oder Stuhlabgang. Hinzu kommt noch eine Vielzahl vor allem weiblicher Patienten mit chronischer Verstopfung. Diese stigmatisierenden Beschwerden führen häufig zu massiven Beeinträchtigungen des Alltagslebens und zu sozialer Isolation. Obwohl sehr viele Menschen täglich unter diesen Problemen leiden, ertragen zwei von drei Betroffenen ihr Leiden still und unbehandelt. Nur wenige Patienten gehen zum Arzt oder informieren sich. Dabei sind die Beschwerden sehr gut therapierbar.

Um Patienten/innen optimal betreuen zu können haben sich daher vor drei Jahren die Abteilungen für Allgemeinchirurgie, Urologie und Gynäkologie zusammen mit der Praxis für Urogynäkologie in Alzey (Hr. Dr. Lange) im Beckenbodenzentrum Rheinhessen zusammengeschlossen. Die Bemühungen um eine bessere Versorgung Betroffener wurden nun im letzten Jahr mit der Zertifizierung als Beckenbodenzentrum honoriert. Diese Zertifizierung setzt ein hohes Maß an Kooperation und Spezialisierung voraus, wie sie nur selten gegeben ist. So finden sich im Beckenbodenzentrum Rheinhessen Kooperationspartner aus dem ganzen Gebiet Rheinhessens wieder. Urologen, Gynäkologen, Chirurgen, Physiotherapeuten, Selbsthilfegruppen, Pflegeexperten, spezialisierte Beckenbodentherapeuten etc..

Warum ist das so wichtig?

Der Beckenboden bildet den muskulären Abschluss unseres Bauchraumes in dem Blase, Prostata, weibliche Geschlechtsorgane und der Enddarm in sehr enger Beziehung zueinander liegen und deren Funktion oder Fehlfunktion sich gegenseitig beeinflussen. Zeit unseres Lebens ist der Beckenboden vielen Belastungen ausgesetzt die natürlich sind, wie z.B. der aufrechte Gang. Der Beckenboden ist aber auch durch Geburten, Operationen oder Bestrahlungsbehandlungen im Bereich der Blase und Prostata, der weiblichen Geschlechtsorgane und des Enddarmes oft zusätzlich beansprucht. Meist liegt nicht ein einzelnes Problem vor, sondern die Summe vieler Veränderungen führt am Ende zu einer Blasen- und/oder Darmentleerungsstörung. Die Symptome können dabei ganz unterschiedlicher Natur sein. So kann es einerseits zur chronischen Verstopfung oder einem Harnverhalt kommen andererseits aber auch zur Urin- und/oder Stuhlinkontinenz. Da häufig eine Kombination unterschiedlicher Probleme zu den Beschwerden führt, ist es wichtig mit dem Blick über den eigenen Tellerrand die richtigen Schritte zu veranlassen. Denn so wie die Probleme, die zu der Funktionsstörung führen, häufig unterschiedlicher Natur sind hat auch die Behandlung eines urologischen, gynäkologischen oder darmchirurgischen Befundes Einfluss auf die anderen Bereiche.

Sehr häufig steht nach ausführlicher Diagnostik zunächst eine konservative medikamentöse oder physiotherapeutische Therapie im Vordergrund, die schon zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik führt. Erst wenn hier der Erfolg ausbleibt kommen weiterführende auch operative Therapiemöglichkeiten in Betracht. Wie auch im konservativen Bereich eine spezialisierte Therapie gute Erfolge verspricht, so ist auch im operativen Bereich eine Spezialisierung unabdingbar, um gute Erfolge für die betroffenen Patienten zu erzielen. Im Beckenbodenzentrum Rheinhessen am Klinikum Worms stehen daher alle modernen operativen Therapiemöglichkeiten zur Verfügung und es kann so individuell für jeden Patienten die richtige Therapie ausgewählt werden. Das Spektrum reicht hier von kleinen Operationen wie schmerzarmer Hämorrhoidenoperationen über die Einpflanzung von Netzen oder minimalinvasiver Darmoperationen bis hin zur Beckenbodenschrittmachertherapie. Ziel ist es, den Patientinnen und Patienten durch eine optimale Behandlung aller Disziplinen ihre Lebensqualität zurückzugeben und lange zu erhalten.

Alleinstellungsmerkmal: neues Untersuchungsverfahren am … – Osthessen News

11.05.17 – Es ist eher ungewöhnlich, dass große Kliniken Patienten zur Diagnostik ins Alsfelder Kreiskrankenhaus überweisen. In letzter Zeit kommt dies allerdings häufiger vor. Der Grund: Die Abteilung von Dr. Steffen Lancee, die Sektion der Proktologie, hat ein neues Untersuchungsverfahren zur Diagnostik von Darm- und Schließmuskelproblemen und damit ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, denn das nächste Gerät steht erst wieder in Mainz.

Die sogenannte „3D-Anorektal-Manometrie“ kann man mithilfe dieses neu angeschafften Diagnostikinstrumentes durchführen. Angebracht ist diese Untersuchung, wenn man unter Stuhlinkontinenz oder dem Gegenteil – permanenter Verstopfung – leidet. Anhand einer spezielle Meßsonde, kann sich seit Beginn des Monats Dr. Lancee jeden Millimeter des Enddarmes anschauen, in 3 D darstellen und die sogenannten Druckverhältnisse im Darm testen. Letztes bedeutet beispielsweise, das provokativ herausgefunden wird, ab welcher Druckstärke der Stuhlreflex ausgelöst wird – oder eben nicht.

Glücklich und auch ein wenig …

Ursache für Inkontinenz können Schließmuskelfehlfunktionen durch Nervenprobleme, Geburtsverletzung, Gewebeschwäche oder aber auch – dies kommt bei Männern nach Prostatakrebs häufig vor – durch Bestrahlungsschäden sein. Die Anschaffung der hochauflösenden Meßsonde für den Afterbereich hat der Förderverein „Freunde und Förderer des Kreiskrankenhauses Alsfeld“ möglich gemacht. Dank fleißig gesammelter Spenden konnten sie die Meßsonde für rund 16.000 Euro kaufen und damit die Allgemein- und Gefäßchirurgie des Alsfelder Hauses – in der die Proktologie angesiedelt ist – qualitativ aufwerten und sogar ein ausgezeichnetes Alleinstellungsmerkmal in der Kliniklandschaft schaffen.

„Wir wissen, dass Inkontinenz ein großes Problem ist und dass sich viele Betroffene schämen, deshalb nicht zum Arzt gehen und so darunter leiden, dass sie sich auch sozial isolieren“, erklärt der Vorstand des Fördervereins, an dem Tag vertreten durch den ersten Vorsitzenden Friedhelm Kalbhenn, sowie den Vorstandskollegen Dr. Erich Heinz, Eckhard Hermann und Ulrich Grosse.

„Aufgrund der hohen Scham, haben wir unsere proktologische Sprechstunde auch in die allgemeinchirurgische Sprechstunde integriert“, erläutert Dr. Lancee vorausschauend. „So weiß im Wartezimmer niemand, weshalb der Patient das ist – es kann wegen Gallenbeschwerden, Krampfaderleiden, verkalkten Halsschlagadern, Schilddrüsenproblemen oder eben auch Enddarm-Funktionsstörungen sein.“
 
Der Chefarzt ist glücklich darüber, dass er diese Untersuchung jetzt auch anbieten kann. Schon bei der Anschaffung der hochauflösenden Ösophagus-Manometrie im vergangenen Jahr hat er darauf hingewiesen, wie wichtig eine genaue Untersuchung und Diagnostik ist, um verschiedene Behandlungsoptionen nutzen zu können. „Nur, wenn man genau weiß, was die Ursache des Problems ist, kann man effektiv handeln und behandeln.“

Die Ösophagus-Manometrie ist die hochauflösende Untersuchung der Speiseröhre, bei der die Beweglichkeit der Speiseröhre untersucht wird oder eine Diagnostik der Reflux-Erkrankung erfolgt. Schon damals hatte das Krankenhaus den Computerturm gekauft, der – mithilfe vom Arzt und eigens geschulten Pflegepersonal – die Diagnostik aufzeichnen und auswerten kann. Daher war jetzt „nur“ die Anschaffung der neuen Meßsonde notwendig, um eine weiteres, bedeutsames Diagnostikverfahren ins Portfolio des Alsfelder Krankenhauses aufnehmen zu können. +++

______________________________________________________________________

BU 1: Dr. Steffen Lancee und Schwester Bianca erläutert dem Vorstand des Fördervereins bei der Übergabe des Schallkopfes die Funktions- und Arbeitsweise des hochauflösenden Untersuchungsgerätes.
BU 2: Glücklich und auch ein wenig stolz sind der Vorstand des Krankenhaus-Fördervereins, Chefarzt Dr. Steffen Lancee und Schwester Bianca über die Spende des neuen Diagnostikgerätes und die einhergehenden Möglichkeiten in der Proktologie.

Kicklingen: Kleine Kinder und große Taten – Augsburger Allgemeine

Damit ihr kleiner Bruder Illia wieder gesund wird, musste Natalia einiges aufopfern. Mit nur 13 Jahren hat sie den Haushalt geschmissen, gekocht und dafür die Schule geschwänzt. Ihr Vater fuhr monatelang zum Arbeiten von der Ukraine[1] nach Moskau, damit die Familie die Behandlungskosten für Illia bezahlen kann. Doch all das reichte nicht.

Vergangenen Oktober dann holte Marianne Richter[2] aus Kicklingen den 10-jährigen Illia mit seiner Mutter Raisa Kravchuk nach Deutschland. Seit der Geburt leidete Illia an Morbus Hirschsprung – einer seltenen Erkrankung des Dickdarms. Er konnte nicht normal auf die Toilette gehen, da ihm Nervenzellen im Enddarm fehlten. Das machte ein normales, soziales Leben unmöglich.

 „Mir ist wichtig, dass lebensrettende Maßnahmen vollzogen werden, damit die Kinder ein schmerzfreies Leben führen können“, erklärt Marianne Richter. Deshalb brachte sie auch dieses Mal wieder viel Kraft und Energie auf.

Illia wurde in der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg von Chefarzt Maximilian Stehr und seinem Team kostenfrei operiert. Allerdings musste die erste Operation aufgrund einer Fistel, die sich im Laufe der Jahre am Dickdarm gebildet hatte, abgebrochen werden. Insgesamt sechs Operationen musste der Zehnjährige über sich ergehen lassen, bis er wieder vollständig gesund war.

Während seiner Genesung lebte er mit seiner Mutter lange Zeit bei Marianne Richter in Kicklingen. „Er war ein ganz helles Köpfchen“, erzählt sie. Über Internet und Telefon kommunizierte er mit seiner Lehrerin in der Ukraine, um den Schulstoff nachholen zu können.

Seit vielen Jahren holt Marianne Richter immer wieder Kinder mit seltenen Krankheiten nach Deutschland, die man in der Ukraine nicht heilen kann. Dabei ist sie besonders auf Unterstützung von außen angewiesen. Denn durch die aufwendigen Operationen, längeren Krankenhausaufenthalte und vieles mehr kommen pro Kind Kosten von mehreren Zehntausend Euro zusammen.

Durch private Sponsoren und Spendengeldern der Organisation „Ein Herz für Kinder“, der Marianne-Strauß-Stiftung, der Franz-Beckenbauer-Stiftung sowie der Uwe-Seeler-Stiftung und der Organisation „Zuversicht für Kinder“ versucht Richter die Kosten zu decken.

Trotzdem ist das nicht immer möglich, und so müsse sie auch manchmal mit ihrem Privatguthaben bürgen. Angefangen hat ihr besonderes Engagement für die Kinder im Jahr 2005, als sie mit dem damaligen Dillinger Oberbürgermeister Hans-Jürgen Weigl[3] in die Ukraine reiste. Als Weigl ein Kind mit Blasenekstrophie sah (dabei befindet sich die Blase außerhalb des Körpers, was zu einem Nierenstau führt), meinte er „diesem Kind muss man helfen“.

Seitdem holte Marianne Richter insgesamt 13 schwerkranke Kinder nach Deutschland. Neben Kindern mit Blasenekstrophie, gab es auch schon zweigeschlechtliche Kinder. Diese können genetisch, anatomisch und hormonell nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Im Herbst kommt wieder ein Junge, der aber genetisch ein Mädchen ist, zu Marianne Richter.

Vor knapp zwei Wochen reiste Illia zurück in die Heimat. „Mir ist dieser Abschied besonders schwergefallen, weil der Junge sehr lange bei mir war.“ Allerdings steht Marianne Richter immer mit den Kindern, denen sie schon geholfen hat, in Kontakt. Zudem fährt die engagierte Helferin öfter in die Ukraine und bringt den Kindern Kleidung, Schokolade und Spielsachen mit.

Von den Familien, die sie unterstützt, möchte sie „keinen Dank, sondern nur Achtung“. Auch ihrer eigenen Familie wird viel abverlangt, doch es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen, sagt Marianne Richter, die sich schon seit 1991 in der Ukraine-Hilfe Dillingen, die sie selbst ins Leben gerufen hat, engagiert. Dabei bekommt sie Unterstützung vom Landratsamt und auch von der Stadt Dillingen. Erst vergangenen Herbst transportierte sie wieder zwischen 16 und 21 Tonnen Hilfsgüter nach Beresne in der Ukraine. Daneben organisiert Marianne Richter dieses Jahr den dritten Schüleraustausch.

 Zehn Jugendliche aus der Ukraine zwischen zehn und 13 Jahren kommen für etwa eine Woche nach Deutschland. Im Rahmen eines Förderprogramms besuchen sie für einen Tag die Schule in Wertingen oder Höchstädt, „um zu sehen, wie bei uns Schule funktioniert“. Daneben stehen Fahrten ins Legoland und nach München auf dem Programm.

Fußnoten:

  1. ^ Ukraine (www.augsburger-allgemeine.de)
  2. ^ Marianne Richter (www.augsburger-allgemeine.de)
  3. ^ Hans-Jürgen Weigl (www.augsburger-allgemeine.de)