Ärzte erkennen Borreliose häufig nicht – RP ONLINE

Düsseldorf. Die von Zecken übertragene Krankheit gilt als kompliziert und schwer zu erkennen. Die Symptome sind vielfältig. Oft denken Mediziner nicht an sie. Von Ute Rasch

Das Schlimmste waren nicht die Schmerzen und die Müdigkeit. Das Schlimmste war die Ungewissheit. Und die Furcht, man halte ihn für einen Hypochonder. Für einen, der sich alles nur einbildet. Nach vielen Jahren und unzähligen Arztpraxen und Kliniken hatte er eine Diagnose: Borreliose. Für Volker Klemm (60) aus Meerbusch war das fast eine Erleichterung. „Endlich passte alles zusammen, alle Beschwerden hatten nun einen Namen.“

Besiegt hat er seine Krankheit deshalb noch nicht. Nach Einschätzung der Deutschen Borreliose-Gesellschaft, einer Organisation von Medizinern, gehört die Borreliose im fortgeschrittenen Stadium zu einer der kompliziertesten Krankheiten. Und ist Anlass zum Streit unter Experten.

Erst war da diese rätselhafte Müdigkeit, „so schlimm, dass ich mich mittags immer hinlegen musste.“ Damals war Volker Klemm noch ein junger Mann, und er erinnert sich gut an die skeptischen Blicke seines Vaters, warum er in seinem Alter denn einen Mittagsschlaf brauchte. Dann schmerzten die Beine, plötzlich konnte er bestimmte Lebensmittel nicht mehr vertragen, und beim Tennis traf er kaum noch einen Ball, weil er den Arm nicht mehr richtig heben konnte.

„Das war ein ständiges Auf und Ab, mal ging es mir schlechter, mal wieder besser.“ Kein Arzt konnte diese diffusen Beschwerden erklären, der Internist schickte ihn zum Neurologen, der schickte ihn zum Psychiater, weil er vermutete, dass „etwas Psychisches“ dahintersteckte. Ein neuer Hausarzt wusste auch nicht weiter. So vergingen etliche Jahre.

In NRW werden Borreliose-Fälle bislang nicht registriert

„Ganz typisch“ findet Ute Fischer diesen Bericht. Die Vorsitzende des Borreliose-Bundes Deutschland, einer Patientenorganisation mit Sitz in Darmstadt, kennt viele solcher Leidensgeschichten.

Die Initiative drängt seit Jahren darauf, dass die Infektion in allen Bundesländern meldepflichtig wird wie beispielsweise in Bayern, Thüringen und Sachsen, auch um verlässliche Zahlen darüber zu bekommen, wie häufig Spätfolgen sind. In NRW werden die Erkrankten bisher nicht registriert, „aber Ministerpräsident Laschet hat uns zugesichert, das Thema zu erörtern“, so Ute Fischer.

Wie die meisten Betroffenen kann sie im Schlaf erklären, wie eine Borreliose entsteht: Sie wird durch Zecken übertragen, die mit Bakterien infiziert sind. Ein Impfschutz existiert nicht, anders als bei Meningitis (Hirnhautentzündung), die ebenfalls durch Zecken ausgelöst wird. So einen Biss kann man sich leicht bei einem Waldspaziergang einfangen, meist ist er harmlos, zumal wenn der winzige Blutsauger erkannt und mit einer speziellen Zeckenzange entfernt wird – je eher, desto besser.

Denn das Infektionsrisiko steigt, je länger die Zecke im Körper bleibt und sich im Gewebe festsetzen kann. Das Robert-Koch- Institut zitiert eine Studie, wonach eine solche Bakterieninfektion nur bei etwa fünf Prozent aller Menschen auftritt, die von einer Zecke gebissen wurden. Typisch: Nach ein paar Tagen bildet sich ein kreisrunder roter Fleck auf der Haut, von Fachleuten „Wanderröte“ genannt.

Spätestens dann wird es Zeit, zum Arzt zu gehen. Und nun beginnt das Dilemma: Nachweisen lässt sich eine Borreliose durch Antikörper im Blut, also durch die Reaktion des Körpers auf die Eindringlinge.

Laut Robert-Koch-Institut braucht das menschliche Immunsystem dafür aber eine Weile, „bei einer beginnenden Erkrankung schließt deshalb ein negatives Ergebnis eine Infektion nicht aus“. Und umgekehrt sei ein positives Ergebnis nicht immer auf eine akute Erkrankung zurückzuführen, denn es könnten Antikörper von einer früheren, unbemerkten Infektion übrig geblieben sein. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, drängen über 20 Anbieter von Testverfahren auf den Markt. „Da wäre es schon eine kluge Entscheidung, ein einheitliches Standard-Verfahren einzuführen“, meint Professor Dieter Häussinger, Spezialist für Infektionskrankheiten am Düsseldorfer Uniklinikum. Bei ihm landen häufig Patienten, die eine Odyssee durch Arzt-Praxen und Kliniken hinter sich haben. „Und bei deren Fülle von diffusen Beschwerden bisher niemand den Verdacht hatte, eine Borreliose könne der Auslöser sein.“

Zumal wenn sich die Patienten an einen Zeckenbiss nicht erinnern. Nach Einschätzung des Mediziners lasse sich die Infektion mit Antibiotika auch später noch gut behandeln – dann kann die Therapie aber länger dauern.

Manchmal ist auch eine Intensivbehandlung vonnöten

Eine solche Intensivbehandlung wird vor allem dann notwendig, wenn es zu Entzündungen von Gelenken, der Nerven und Organe kommt. Nur eines scheint sicher, so die Erkenntnis des Robert-Koch-Instituts: „Es gibt keinen typischen Verlauf.“ Das erschwert Diagnose und Therapie. So war es auch bei Volker Klemm, der vermutet, schon in seiner Bundeswehrzeit unbemerkt von einer Zecke erwischt worden zu sein – „vielleicht beim Robben durch hohes Gras, wer weiß?“

In den 1990er Jahren verschlimmerte sich sein Zustand, er bekam stechende Schmerzen unterm Fuß, „als würde ich über eine Herdplatte laufen.“ Von nun an gehörten Medikamente zu seinen ständigen Begleitern. Dann wurde eine Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt, eine Herzklappe schloss sich nicht mehr richtig. „Woher kommt das?“ Antwort eines Arztes: „Vermutlich durch eine Infektion.“ Dass eine Borreliose die Ursache seines Leidens sein könnte, „daran hat einfach niemand gedacht.“

Die „brennenden“ Füße kennt auch seine Schwägerin Heidi Wolf (44), ebenso die gefühllosen Fingerspitzen, die innere Kälte – und noch etliche Symptome dazu. Die Krankengeschichte der Zahntechnikerin und Mutter eines zehnjährigen Jungen ist lang und liest sich wie ein Horrorbericht: ständig Entzündungen der Zähne, der Nasennebenhöhlen, der Nieren, der Blase.

„Seit meiner Jugend habe ich Probleme mit meiner Halswirbelsäule, obwohl ich eigentlich fit bin, immer Sport getrieben habe.“ Sobald die Temperaturen steigen, kann sie sich darauf einstellen, juckende Hautekzeme an den Händen zu bekommen. Ihr Fazit: „Ich bin eigentlich immer krank.“ Wiederholt war sie in Kliniken, „ich bin mehrfach komplett auf den Kopf gestellt worden.“ Massive Störungen der Muskeln bei Belastung wurden diagnostiziert. Ursache? Unbekannt.

Für Mediziner gibt es nur wenig Fortbildung zu Borreliose

„Das Wissen der Ärzte über diese Erkrankung ist völlig unzureichend“, kritisiert Walter Berghoff, Fachbuchautor und Mitglied der Deutschen Borreliose-Gesellschaft. Das liege vor allem daran, dass zu wenig Fortbildung angeboten würde. Außerdem sei die Krankheit mit ihren vielfältigen Symptomen nun mal schwer zu packen.

„Wenn jemand in die Praxis kommt, und sagt, er sei ständig schlapp und es tue ihm dies und das weh, kann das eben alles Mögliche sein.“ Um eine Borreliose zu erkennen, brauche man Erfahrung und Zeit, viel Zeit, um die gesamte Krankengeschichte eines Patienten zu analysieren. Und die habe eben kaum ein Arzt.

Volker Klemm und Heidi Wolf sind dann irgendwann bei einer Ärztin gelandet, die Schulmedizin mit der Naturheilkunde verknüpft und die selbst einmal an Borreliose erkrankt war. Bei ihr werden die beiden Patienten nun wiederholt über Monate mit Antibiotika behandelt, während das Immunsystem stabilisiert wird.

Auch diese Langzeittherapie ist in Fachkreisen umstritten, vor allem, weil deren Wirksamkeit nicht durch wissenschaftliche Studien bewiesen sei. Für die Patienten zählt nur eins: Ihnen geht es deutlich besser. Heidi Wolf, die früher passionierte Ski-Läuferin war, fährt jetzt mit der Seniorengruppe: „Unter Schmerzen, aber immerhin.“

Volker Klemm, einst Tennisspieler, fährt Fahrrad – und ist froh darüber. Für beide gilt: Die Hoffnung ist wieder in ihr Leben zurückgekehrt. „Das ist für uns ein gewaltiger Schritt nach vorn.“

Quelle: RP
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Bessere Versorgung nach Entlassung aus dem Krankenhaus – Deutschlandfunk

Patienten sollen künftig besser versorgt werden, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Wie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung mitteilte, sollen die Krankenhausärzte den Patienten klare Anweisungen geben, welche Medikamente und welche Nachbehandlung notwendig ist. Die neuen Regelungen gelten ab dem ersten Oktober. – Die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und behandelndem niedergelassenen Arzt war lange in der Kritik.

Gesundheit und Fortbildung liegen stark im Trend – shz.de

shz.de von Gunnar Dommasch
erstellt am 27.Sep.2017 | 07:01 Uhr

Yoga für Schwangere, Stricken für Männer, Filzen mit Schafwolle – das kennt man schon. Doch das Angebot der drei Einrichtungen im Haus der Familie unter der Leitung von Gesa Görrissen bietet noch viel mehr – vor allem Neues. Davon zeugt das Programmheft 2017/18, das jetzt frisch gedruckt vorliegt. Unter der Adresse Wrangelstraße 18 firmieren Familienbildungsstätte, an der allein 140 Honorarkräfte beschäftigt sind, ADS-Beratungszentrum und Kibis-Selbsthilfe.

Bemerkenswert ist das breite Spektrum an Fort- und Weiterbildungskursen. So gibt es etwa einen Workshop „Gewaltfreie Kommunikation“, der sich damit beschäftigt, wie man eigene Bedürfnisse mit denen anderer Menschen auf wertschätzende Weise in Einklang bringen kann. „Mit dem Leben tanzen“, nennt der Psychologe Marshall Rosenberg diesen Prozess. Konfliktmanagement ist ein weiteres damit verwandtes Thema, bei dem es darum geht, produktives Potenzial konstruktiv zu nutzen.

Gesa Görrissen und Anne Redmann, Leiterin der Familienbildungsstätte, freuen sich besonders, sowohl externen Teilnehmern als auch den ADS-Kita-Mitarbeitern eine einjährige Ausbildung zur Fachkraft für Frühpädagogik ermöglichen zu können.

Kurse im Gesundheitsbereich, erklärt Anne Redmann, sind derzeit stark nachgefragt. Dem will auch das Haus der Familie Rechnung tragen, indem das Angebot erweitert wurde: Vom rasanten Zumba bis hin zur gemächlichen Rückbildungsgymnastik, vom Babyturnen über progressive Muskelrelaxation bis zum Abnehmen in der Gruppe (gemeinsam geht es leichter).

Ein weiteres Novum ist die Sozialberatung für Mitarbeiter, die unter dem Kürzel EAP zusammengefasst wird. „Es geht um Menschen, die Probleme haben – im Beruf oder in der Ehe, vielleicht in einer Lebenskrise stecken“, erläutert Gesa Görrissen. Es ist eine anonymisierte Beratung. „Ein Anruf genügt, Hilfe kommt sofort – damit ein Problem nicht zur Krise heranwächst. “ Es gibt bereits eine Vereinbarung mit zwei Flensburger Firmen, die die Kosten für ihre Mitarbeiter übernehmen.

Am Mittwoch, 4. Oktober, lädt das Haus zu dem Kulturabend „Grenzlandleben“ ein. Um 18.30 wird die Autorin Annegret Friedrichsen in der Dansk Centralbibliotek aus ihrem Gedichtband „Meer im Ohr“ lesen. Ein Abend der Begegnung, in der Menschen von ihrem Leben mit zwei Kulturen berichten.

Quelle:

www.shz.de

Fußnoten:

  1. ^ E-Mail an den Autor (www.shz.de)
  2. ^ Twitterprofil Autor (twitter.com)
  3. ^ Facebookprofil Autor (www.facebook.com)
  4. ^ Artikel des Autors (www.shz.de)

Das bisschen Haushalt: Viel Putzen gefährdet Gesundheit – so gesund | Wissen, was gut tut

Aus dem Fernsehen sind putzende Männer wohlbekannt: Der Tatortreiniger Schotty, gespielt von Bjarne Mädel, schrubbt in der gleichnamigen Serie seit sieben Jahren Blutflecken vom Boden. Er desinfiziert Badezimmer und sprüht Chemikalien auf Teppiche, die sich in weißen Schaum verwandeln. Walter White geht in der US-Serie Breaking Bad bei seinen Säuberungsaktionen noch unerschrockener vor. Nachdem er in seiner Drogenküche Crystal Meth gekocht hat, poliert er die Laborkolben und Messbecher auf Hochglanz. Und als er die Leiche eines Widersachers in Flusssäure aufgelöst hat, beseitigt er anschließend klaglos das entstandene Schlamassel. Als ehemaliger Chemielehrer weiß er immerhin, mit welcher Substanz er es zu tun hat.

Anders der deutsche Durchschnittsmann. Während Frauen hierzulande durchschnittlich 164 Minuten am Tag[1] putzen, kochen oder bügeln, kommen Männer nur auf 90 Minuten. An dieser grundlegenden Rollenverteilung hat sich seit jeher wenig geändert. Die männlichen Drückeberger erhalten nun sogar zumindest auf den ersten Blick Rückenwind von einer wissenschaftlichen Studie. Laura Van den Borre[2] von der Vrije Universiteit Brussel hat untersucht, aus welchen Gründen männliche und weibliche Reinigungskräfte zwischen 1991 und 2011 verstorben sind. Sie konnte dabei auf Daten der belgischen Bevölkerungsstatistik zurückgreifen. Die Ergebnisse[3]: Das Sterberisiko für Putzmänner ist um 45 Prozent höher als für Angehörige anderer Berufsgruppen, beispielsweise Mitarbeiter und eines Büros. Für Putzfrauen ist das Risiko um 16 Prozent erhöht.

Insgesamt verstarben die Reinigungskräfte signifikant häufig an Lungen- sowie Herz- und Gefäßkrankheiten. Sie litten beispielsweise an COPD, der Chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bei der die Bronchien oder die Bronchiolen befallen werden. Außerdem verstarb das Reinigungspersonal an Lungenkrebs oder zerebrovaskulären, also die Blutgefäße des Gehirns betreffenden Erkrankungen.

Warum die Reinigungskräfte ein höheres Sterberisiko hatten, ist bislang nicht genau geklärt. Es darf spekuliert werden, dass weniger die Putzmittel selbst ein Risiko darstellen als vielmehr die Art und Weise, wie sie benutzt und mit anderen Mitteln kombiniert wurden. Für diese Theorie spricht, dass der belgischen Studie zufolge Reinigungskräfte in Privathaushalten[4] stärker gefährdet waren als professionelle Reinigungskräfte. Die Profis sind vermutlich besser geschult und über mögliche Gefahren aufgeklärt als Laien, vermutet die Forscherin Van den Borre. Auch über die Gründe, warum Männer häufiger verstarben als Frauen, kann nur gemutmaßt werden. Eine mögliche Erklärung lautet: Frauen achten möglicherweise besser auf Schutzmaßnahmen und lesen die Etiketten genauer, auf denen unter Umständen vor einem toxischen Mix mit anderen Produkten gewarnt wird.

Insofern gibt es auch für Männer künftig keine Ausrede, weniger als Frauen zu putzen. Denn die vorbeugenden Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit sind offensichtlich: die Gebrauchsanleitung lesen, so wenig Chemie wie möglich verwenden, und bei aggressiven Mitteln Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz verwenden.

Quelle:

so-gesund.com

Fußnoten:

  1. ^ 164 Minuten am Tag (de.statista.com)
  2. ^ Laura Van den Borre (www.vub.ac.be)
  3. ^ Die Ergebnisse (www.ncbi.nlm.nih.gov)
  4. ^ Reinigungskräfte in Privathaushalten (so-gesund.com)

Themenwelten | Gesundheit – Augsburger Allgemeine

Alle sind ständig online. Ob auf dem Weg zur Arbeit, zuhause oder beim Treffen mit Freunden. Der neue Trend ist jetzt, regelmäßig alle technischen Geräte auszuschalten, und nennt sich digitale Entgiftung.

Berlin (dpa/tmn) – Von Hundert auf null: So halten es viele mit der digitalen Entgiftung. Nachdem sie im normalen Leben ununterbrochen mit den Augen am Bildschirm kleben, schalten sie im Urlaub zwei Wochen lang alle technischen Geräte ab.

«Das schadet zwar nicht», erläutert Iris Hauth, E-Mental-Health-Expertin vom Alexianer St. Joseph Krankenhaus Berlin-Weißensee. Aber wer sein Gehirn effektiv vor dem schützen will, was das ständige Einprasseln von Informationen möglicherweise anrichtet, sollte besser den eigenen Alltag anpassen. Hauth rät zum Beispiel zu smartphone- und computerfreien Stunden – etwa nach Feierabend: «Ich selbst diszipliniere mich, zwischen 19.00 und 22.00 Uhr nicht aufs Handy zu schauen.» Am Wochenende sei es zudem sinnvoll, keine beruflichen E-Mails zu lesen. In manchen Unternehmen ist das mittlerweile sogar verboten. Grundsätzlich verteufeln will die Chefärztin der psychiatrischen Klinik die neuen Medien nicht. Sie gibt nur zu bedenken, dass die Informationsflut und ständige Verfügbarkeit mit großer Wahrscheinlichkeit die Wahrnehmung, die Konzentration und das Erinnerungsvermögen beeinflussen. «Nachweisen lässt sich das bisher allerdings noch nicht», betont sie. Um das eigene Gehirn vor möglichen Gefahren zu schützen, plädiert sie dennoch dafür, Maß zu halten. Es helfe schon, sich zum Beispiel immer wieder klarzumachen, dass Messenger wie WhatsApp nur eine Möglichkeit darstellen, mit Freunden und der Familie zu kommunizieren. «Stattdessen kann man sich auch einfach mal wieder zum Essen treffen.» Das Smartphone bleibt dann am besten in der Tasche.

Endometriose: „Gynäkologische Erkrankungen sind ein Tabu“ – FOCUS Online

Endometriose – dieses Wort sagt den meisten nichts. Dabei ist die Erkrankung bei Frauen gar nicht so selten, und sie kann schwerwiegende Folgen haben. Eine Betroffene erzählt, woran man Endometriose erkennt und wie sie lernte, damit zu leben.

Martina Liel bezeichnet sich selbst als „Endofighter“, eine Kriegerin gegen Endometriose. Sie lebt seit mehr als 25 Jahren mit der Erkrankung, die kaum einer kennt, die aber Schätzungen zufolge jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter betrifft. Ein Gespräch mit einer Expertin.

Frau Liel, Sie haben Ihr Buch „Nicht ohne meine Wärmflasche“ vor allem als Aufklärungsbuch verfasst. Also los: Was ist Endometriose?

Martina Liel: Das Wort Endometriose wird eigentlich für zwei unterschiedliche Sachverhalte verwendet. Es bezeichnet das Vorkommen von Zellen, die den Zellen aus der Gebärmutter, den Eileitern oder dem Gebärmutterhals ähneln, irgendwo anders im Körper. Das muss noch gar nicht bedeuten, dass jemand Symptome hat. Man spricht aber auch dann von Endometriose, wenn diese Zellen Probleme bereiten – zum Beispiel innere Entzündungen, Blutungen, Verwachsungen oder Unfruchtbarkeit.

Warum bereiten diese Zellen Probleme?

Liel: Das weiß man noch nicht. Man weiß nicht einmal, wie die Zellen da hingelangen, wo sie eigentlich gar nicht hingehören. Es gibt zwar Theorien, aber man muss klar sagen: Keine davon ist belegt.

Die Erkrankung wurde bei Ihnen erst mit 29 diagnostiziert, Sie hatten aber schon lange Beschwerden. Welche waren das?

Liel: Ich wusste schon mit 15, als ich meine Periode bekam, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich hatte so heftige Schmerzen, dass ich direkt zum Frauenarzt gegangen bin. Dort wurde ich mit den Worten abgespeist: Das ist ganz normal. Das Tückische ist, dass sich Endometriose bei manchen nur während der Periode zeigt, sich also sozusagen dahinter versteckt. Das war bei mir der Fall.

Konnten Sie mit jemandem darüber sprechen?

Liel: Seien wir ehrlich: Gynäkologische Erkrankungen sind nach wie vor ein Tabuthema. Es gehört sich einfach nicht, sich als Frau über Regelschmerzen zu beklagen. Das müssen wir eben aushalten, wurde mir immer vermittelt.

Erst mit 29 bestätigte sich dann Ihr Verdacht, dass das nicht normal ist – in einer sehr dramatischen Situation…

Liel: Ja, das stimmt. Ich hatte plötzlich heftigste Schmerzen und musste ins Krankenhaus. Dort hat man mich sechs Stunden lang notoperiert. Die Ärzte haben vier Kilogramm Gewebe, einen riesigen Haufen an Verwachsungen und Tumoren, aus meinem Bauch geholt. Mir wurde danach gesagt, dass diese Operation mein Leben gerettet hat.

Und da erst haben Sie erfahren, dass Sie Endometriose haben. Wie ging es Ihnen damit?

Liel: Die Diagnose hat ein Gefühl der Erleichterung gebracht, nach dem Motto: Ich habe mir das nicht alles eingebildet. Dann kam eine Phase der Wut darüber, dass dem nicht früher nachgegangen wurde…

… weil man die Endometriose-Herde dann früher hätte entfernen können?

Liel: Man muss klar sagen: Heilen kann man Endometriose nicht, egal, wie früh man es erkennt. Aber Ärzte können ein solches Ausmaß wie bei mir durch eine rechtzeitige Bauchspiegelung eventuell verhindern.

Endometriose zu erkennen ist, wie Ihr Beispiel zeigt, gar nicht so einfach. Wann sollte eine junge Frau skeptisch werden?

Liel: Starke Regelschmerzen sind immer ein Alarmsignal. Die können auch vor oder nach der Periode auftreten. Ein Hinweis sind auch alle Schmerzen und Entzündungen im Körper, die zyklisch kommen.

Was ist zu tun, wenn man solche Symptome hat?

Liel: Ich würde auf jeden Fall gleich in ein Endometriosezentrum gehen und nicht zum normalen Gynäkologen. Und bekäme ich heute noch mal die Diagnose, würde ich auch anders leben und mich sehr viel mehr um mich kümmern – mich gesund ernähren[1], Stress reduzieren, viel Sport treiben. Das stärkt die allgemeine Konstitution und kann sich positiv auf das eigene Schmerzempfinden auswirken. Die Progression der Erkrankung selbst lässt sich nicht beeinflussen.

Wie gelingt es, das zu akzeptieren?

Liel: Man muss lernen, ganz selbstbewusst zu formulieren: Ich habe eine chronische Erkrankung, es ist okay, dass ich jetzt nicht funktioniere. Das ist der erste wichtige Schritt.

Wie lernen Patientinnen das? Gibt es etwas, das Ihnen dabei geholfen hat?

Liel: Ich habe eine Verhaltenstherapie gemacht. Dazu kann ich raten, denn es hat mir sehr geholfen, mit der Krankheit umzugehen. Es ist auch gut, sich mit anderen zu vernetzen. Ich bin in eine Selbsthilfegruppe gegangen und der Endometriose-Vereinigung Deutschland beigetreten. Man fühlt sich dort verstanden, man fühlt sich wieder etwas „normaler“ und man tauscht Tipps aus.

Literatur:

Martina Liel: Nicht ohne meine Wärmflasche. Leben mit Endometriose, Komplett Media Verlag, 224 Seiten, 18,99 Euro, ISBN-13: 9783831204366

Quelle:

www.focus.de

Fußnoten:

  1. ^ Mehr zu gesund ernähren (www.focus.de)

GesundheitEndometriose: „Gynäkologische Erkrankungen sind ein Tabu“ – FOCUS Online

Fotocredits:

dpa/Komplett Media Verlag/dpa, dpa/Florian Schuh/dpa-tmn, FOCUS, dpa/Sven Hoppe/dpa, dpa/Doreen Hassek/dekoreen.blogspot.de/dpa-tmn, AltoPress / Maxppp, dpa/Christin Klose/dpa, FOCUS Online, dpa/Gabi Pott/dpa
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Quelle:

www.focus.de