Die Folgen der Impfverweigerung – Süddeutsche.de

Wenn die Impfbereitschaft nur um einige wenige Prozent sinkt, steigt das Risiko sich mit den Masern anzustecken überproportional an.

Von Werner Bartens

Kleiner Anlass, große Wirkung. Dieses Prinzip ist aus der Medizin gut bekannt, egal ob es sich um die Ansteckung mit mikroskopisch kleinen Erregern, die Auswirkungen einer Genmutation oder den Defekt eines Ionenkanals handelt, die alle zu schweren Krankheiten führen können. Auch in anderen Bereichen sind die Folgen geringer Veränderungen mitunter beträchtlich. So zeigen Ärzte der Universität Stanford im Fachmagazin Jama Pediatrics[1], dass schon ein leichter Rückgang in der Bereitschaft, seine Kinder gegen Masern[2] impfen zu lassen, zu einer bemerkenswerten Zunahme der Krankheitsfälle führen würde.

Die Infektionsexperten Nathan Lo und Peter Hotez haben ausgerechnet, welche Folgen es haben würde, wenn die Impfquote von Kindern im Alter zwischen zwei und elf Jahren US-weit um fünf Prozent zurückgehen würde. Derzeit sind dort etwa 93 Prozent der Kinder mithilfe der Dreifachimpfung vor den Kinderkrankheiten Masern, Mumps und Röteln geschützt. In den vergangenen Jahren wurden in den USA zwischen 55 und 667 Neuerkrankungen jährlich registriert. Nach der aktuellen Studie wäre mit einer Verdreifachung der Fälle zu rechnen, wenn die Impfquote um nur fünf Prozent sinken würde.

Die Krankheit könnte schon längst ausgerottet sein

„Wir haben uns für unsere Analysen auf die Masern konzentriert, weil sie hoch ansteckend sind“, sagt Lo. Nach diversen Berechnungen könnte die Krankheit längst ausgerottet sein, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung über eine ausreichende Immunität verfügen würden. In Deutschland lag die Impfquote gegen Masern 2012 bei Erstklässlern zwar schon bei 96,7 Prozent für die erste Dosis und 92,4 Prozent für die zweite Impfstoffdosis. Allerdings vermutet das Robert-Koch-Institut (RKI) aufgrund des steigenden Alters der Masernerkrankten, dass weiterhin ungenügende Impfquoten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestehen.

Regionale Impflücken mit Impfquoten örtlich weit unter 90 Prozent treten in Deutschland im südlichen Bayern und immer wieder auch anderswo auf – vor Jahren gab es Ausbrüche im nördlichen Franken und in Nordrhein-Westfalen. Die Wissenschaftler aus Stanford berichten von einer Masern-Häufung 2014 in Ohio, als 383 Krankheitsfälle unter den ungeimpften Mitgliedern der Amish-Gemeinde auftraten. Im Frühjahr 2017 kam es zu Ansteckungen unter somalischen Immigranten in Minnesota, die ebenfalls nicht ausreichend geimpft waren.

„Wir haben eigentlich einen ziemlich guten Zugriff auf die Masern. Mit einem geringen Anstieg der Impfquoten könnten wir so viel erreichen“, sagt Infektionsexpertin Yvonne Maldonado. „Wenn wir uns darauf konzentrieren, dass alle Kinder geimpft werden, kann diese Krankheit endgültig von der Erdoberfläche verschwinden.“ Bereits für 2010 und 2015 hatten Seuchenschutzbehörden und die Weltgesundheitsorganisation WHO das Ziel vorgegeben, die Masern auszurotten. Haarscharf gelang dies nicht, weil in den wohlhabenden Staaten zwar zumeist Impfquoten um die 90 Prozent erreicht werden, die entscheidenden paar Prozente mehr jedoch fehlten. Dieses Ziel soll nun 2020 erreicht werden.

Dass es trotz recht hoher Impfquoten immer wieder zu Ausbrüchen kommt, war auch der Anlass für die aktuelle Hochrechnung. Die Forscher analysierten, was passiert, wenn ein Reisender, der die Krankheit in sich trägt, in eine Region kommt, in der statt 93 nur 88 Prozent oder noch weniger Menschen geimpft sind und deshalb der sogenannte Herdenschutz durch die immunisierte Gemeinschaft nicht mehr gegeben ist.

Impfung Frankreichs Schlag gegen Impfgegner

Frankreichs Schlag gegen Impfgegner[3]

Gegen elf Erreger müssen französische Kinder künftig geimpft sein, darunter Keuchhusten und Masern. Ist die Zwangs-Maßnahme ein Modell für Deutschland? Von Kathrin Zinkant mehr…[4]

Entscheidend für Gesundheit und Krankheit – Bayerischer Rundfunk

Darmmikrobiom | Bild: Screenshot BR

Das Mikrobiom des Darms besteht aus Milliarden von Mikroorganismen. Das Gleich- oder Ungleichgewicht dieses mikrobiellen Ökosystems soll verantwortlich sein für Autoimmunerkrankungen, den Fettstoffwechsel oder chronische Entzündungen. Was kann unser Darm wirklich? Wie genau Darmbakterien Gesundheit und Krankheit steuern, ist noch unbekannt.

Mikrobiom des Darms: Schlüssel zu entzündlichen Darmkrankheiten?

Von Kindheit an leidet Indra Ganz an Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, die in Schüben kommt. Immer wieder kommen die Entzündungen zurück. Indra Ganz musste sich deshalb schon Teile des Darms operativ entfernen lassen.

Indra Ganz, Morbus-Crohn-Patientin | Bild: Screenshot BR

„Es ist eigentlich wie eine Magen-Darm-Grippe, zuerst ist einem schlecht, man hat Bauchweh, dann kommen relativ schnell starke Schmerzen und dann ist man dauernd auf der Toilette. Das schränkt einen natürlich im Alltag ein. Ich darf meine Kinder nicht hochheben. Und wenn ich dann sehe, wie andere Mütter ihre Kinder selbstverständlich hochheben, dann schmerzt mich das natürlich schon.“

Indra Ganz, Morbus-Crohn-Patientin

Darmmikrobiom: große Bedeutung für die Forschung

In den Jahren ihrer Krankheit hat sie vieles ausprobiert, um die schmerzhaften Schübe in den Griff zu bekommen, aber eine effektive Therapie hat sie nicht gefunden. Die Ursache von Morbus Crohn kennt man nicht.

Prof. Dirk Haller von der Technischen Universität München möchte das ändern. Der Mikrobiologe und Immunologe beschäftigt sich wissenschaftlich mit den Darmbakterien. Er sagt: Das Mikrobiom könnte der Schlüssel zu entzündlichen Krankheiten wie der von Indra sein.

Prof. Dr. rer. nat. Dirk Haller, Mikrobiologe und Immunologe, Technische Universität München | Bild: Screenshot BR

„Fast alle Tiermodelle für diese Erkrankung sind quasi entzündungsfrei, wenn man sie ohne Bakterien hält. Das sind schon gute Hinweise darauf, dass dieses klinische Bild sehr stark davon abhängig ist, welche Bakterien im Darm dann tatsächlich da sind.“

Prof. Dr. rer. nat. Dirk Haller, Mikrobiologe und Immunologe, Technische Universität München

Forschung Darmmikrobiom: Einfluss auf viele Krankheiten

Ob sich aus dieser Erkenntnis neue Therapien entwickeln lassen, ist noch schwer zu sagen, denn die Krankheit ist sehr komplex.

Darmmikrobiom | Bild: Screenshot BR

Auch bei anderen Erkrankungen suchen Forscher nach einem Zusammenhang mit Darmbakterien. Für Diabetes und Arteriosklerose zum Beispiel sehen Wissenschaftler in Darmbakterien einen möglichen Auslöser.

Sogar in Bezug auf Erkrankungen des Gehirns wie Autismus und Demenz wird das Mikrobiom erforscht. Studien haben auch gezeigt, dass Übergewicht mit der Zusammensetzung der Darmbakterien zusammenhängt. Doch dass wir in Zukunft auf Diäten verzichten und per Bakterien abnehmen können, hält Dirk Haller für unwahrscheinlich.

„Zu postulieren, dass meine Darmmikrobiota mich dick macht, da halte ich relativ wenig davon. Weil am Ende des Tages wird man dick, weil man zu viel Energie aufnimmt und zu wenig abgibt.“

Prof. Dr. rer. nat. Dirk Haller, Mikrobiologe und Immunologe, Technische Universität München

Gesunde Darmflora: Grundlage für das Wohlbefinden

Auch bei weniger schweren Erkrankungen kann die Darmflora eine Rolle spielen. Stefan Pölz ist Allgemeinmediziner in München und trifft häufig auf Patienten mit Beschwerden, die er aufs Darmmikrobiom zurückführt.

Stefan Pölz, Allgemeinmediziner, München | Bild: Screenshot BR

„Die Patienten, die kommen, haben oft allgemeine Beschwerden, wie Blähungen, Durchfall oder wechselnden Stuhlgang, diffuse Bauchschmerzen. Und das sind alles Symptome, die darauf hinweisen, dass die Darmflora gestört ist, dass das bakterielle Gleichgewicht aus dem Ruder gelaufen ist.“

Stefan Pölz, Allgemeinmediziner, München

Darmmikrobiom & Gesundheit: Das Gleichgewicht muss stimmen

Das Darmmikrobiom bestehe sowohl aus guten Bakterien, als auch aus solchen, die Krankheiten auslösen, erklärt Pölz. Damit der Mensch gesund bleibt, muss das Gleichgewicht stimmen. Gute Bakterien wie Lactobazillen und Bifidobakterien halten Krankheitserreger wie zum Beispiel Clostridien in Schach.

Um die Darmflora seiner Patienten wieder ins Gleichgewicht zu bringen, untersucht Stefan Pölz Stuhlproben auf die enthaltenen Bakterien und verordnet passende probiotische Medikamente aus der Apotheke.

Joghurts für die Darmgesundheit: mehr als nur Marketing?

Joghurts aus dem Supermarkt mit zugesetzten Bakterien | Bild: Screenshot BR

Joghurts aus dem Supermarkt, die mit zugesetzten Bakterien werben, haben keinen nachgewiesenen Effekt, sagt Mediziner Stefan Pölz, allein schon, weil die Dosierung der Bakterien nicht ausreiche.

„Der wesentliche Unterschied ist, dass die Präparate so aufbereitet sind, dass sie im Darm auch ankommen. Wenn sie Joghurt essen, wird das durch die Magensäure angegriffen und zersetzt. Und wenn sie Kapseln nehmen oder andere gefriergetrocknete Tabletten, die sich erst im Darm anfangen aufzulösen, kommen die Bakterien auch da an, wo wir sie brauchen.“

Stefan Pölz, Allgemeinmediziner, München

Darmmikrobiom: Forschungsfeld mit Perspektive

Forschung am Darmmikrobiom | Bild: Screenshot BR

Das Darmmikrobiom wird in den nächsten Jahren ein spannendes Thema für die Forschung bleiben. Die Morbus-Crohn-Patientin Indra Ganz hat sich nach all den Jahren mit ihrer Krankheit abgefunden. Trotzdem hofft sie auf die Forschung. Dass konkrete Ergebnisse noch Jahre brauchen könnten, ist ihr bewusst.

„Für mich bringt es wahrscheinlich nichts mehr, ich habe die Krankheit einfach schon sehr lange. Aber für die kommenden Generationen wäre das sicher ein Segen.“

Indra Ganz, Morbus-Crohn-Patientin

Quelle:

www.br.de

Kleine Stühle, großer Lärm: Die fordernde Arbeit in der Kita – Allgemeine Zeitung

In Kitas spielt sich vieles auf dem Boden ab. Für die Rücken der Mitarbeiter ist das eine Belastung.

In Kitas spielt sich vieles auf dem Boden ab. Für die Rücken der Mitarbeiter ist das eine Belastung. Foto: Monika Skolimowska

Tränen, Streit, Glücksmomente und ständiges Geplapper: Was Erzieher in der Kita jeden Tag an Dramen erleben, würde an den meisten Arbeitsplätzen für ein ganzes Jahr reichen. Kein Wunder, dass der Beruf enormen Stress bedeutet – für Geist und Körper.

Berlin (dpa/tmn) – Ein Kinderspiel ist die Arbeit in der Kita nicht, im Gegenteil. Sie kann belastend für Körper und Geist sein. Ein Experte gibt Erziehern deshalb ein paar Ratschläge an die Hand.

«Generell ist das Arbeiten in der Kita sehr belastend, weil es zum Beispiel wahnsinnig viel Multitasking ist – alle wollen da ständig was von einem», sagt Rolf Ellegast. Er ist stellvertretender Leiter des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Ein Rudel Kinder zu betreuen, ist aber nicht einfach nur Stress, sondern auch eine Herausforderung für die Gesundheit. Das beginnt bei der Einrichtung: Denn die Möbel in der Kita sind für kleine Leute gebaut, nicht für deren Erzieher. «Wenn Sie in der Kita immer auf kleinen Stühlen sitzen, merken Sie erst nicht, dass das Ihrer Gesundheit schadet», sagt Ellegast. «Nach 10 oder 20 Jahren dann aber schon.» Die Folge sind häufig Muskel-Skelett-Erkrankungen, so der Experte. «Je älter Sie werden, desto mehr Beschwerden haben Sie.»

Gefährlich sei nicht so sehr die Bewegung an sich, sondern eher die dauerhafte und einseitige Belastung. Seit Kitas immer mehr Kinder unter drei Jahren betreuen, habe sich das noch verschärft. 

«Die Beschäftigten tragen jetzt viel mehr Kinder und arbeiten viel auf dem Boden», sagt Ellegast. Er rät Erziehern deshalb, sich möglichst vom ersten Arbeitstag an gesundheitsgerecht zu verhalten.

«Erzieherinnen wollen viel auf Augenhöhe mit den Kindern sein, das ist ja auch gut und richtig so», erklärt der Experte. Aber dafür müsse man sich nicht immer bücken, Kinder hochheben oder zu ihnen in die Hocke gehen.

«Man kann die Kinder aber auch auf die eigene Augenhöhe bringen, mit Trip-Trap-Stühlen zum Beispiel.» Höhenverstellbare Tische seien auch eine Lösung – allerdings oft zu teuer für eine Kita. Und auch verstellbare Stühle mit Rollen können den Rücken in vielen Situationen entlasten.

Hinzu kommen in der Kita andere Gesundheitsgefahren – schlechte Luft oder ständiger Lärm zum Beispiel. Ein direkter Gehörschaden drohe dadurch zwar meist nicht. «Hier steht eher der Stress durch die Dauerbeschallung im Vordergrund», sagt Ellegast. Auch davor könne man sich schützen, durch kurze Pausen in Ruheräumen etwa. «Insgesamt ist das aber eher eine Frage der baulichen Gestaltung.»

Einflussreicher US-Senator McCain will am Dienstag in Senat zurückkehren – DIE WELT

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Der einflussreiche US-Senator und ehemaligen Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, John McCain, will nach einer Hirntumor-Operation am Dienstag in den Senat zurückkehren, um seine Partei bei der Gesundheitsreform zu unterstützen. Das teilte sein Büro am Montag mit. McCain freue sich auf die Rückkehr in die Kongress-Kammer und auf die Arbeit an „wichtigen Gesetzgebungsprojekten“, darunter die Gesundheitsreform sowie neue Sanktionen gegen Russland, den Iran und Nordkorea.

McCain hatte sicher einer Operation zur Entfernung eines Krebsgeschwürs unterziehen müssen. Der Tumor[1] wurde laut seinem Büro vollständig entfernt.

Zuletzt waren die Beratungen des US-Kongresses über die Gesundheitsreform verschoben worden, weil der 80-Jährige sich wegen eines Blutgerinnsels über dem Auge einer Operation unterziehen musste. Im Zuge dieser Operation wurde ein damit zusammenhängender Hirntumor festgestellt.

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McCain gehört zu den einflussreichsten US-Republikanern. Das Ansehen des Präsidentschaftskandidaten von 2008 beruht auch auf seiner Teilnahme am Vietnam-Krieg. Dabei war McCain 1967 in Gefangenschaft geraten und gefoltert worden und erst nach rund fünf Jahren wieder frei gekommen.

US-Präsident Donald Trump hatte McCain bereits nach der Entfernung des Blutgerinnsels gute Besserung gewünscht und dabei zugleich auf die Bedeutung von McCains Stimme bei der Reform des Gesundheitssystems verwiesen. „Wir brauchen seine Stimme“, erklärte Trump.

Die Abschaffung von „Obamacare“ und sein Ersatz durch ein angeblich effizienteres und kostengünstigeres Modell ist eines der zentralen Wahlkampfversprechen Trumps. Allerdings fehlt es derzeit an den notwendigen Stimmen aus den eigenen Reihen – in den vergangenen Tagen hatten vier republikanische Senatoren ihren Widerstand erklärt. Wegen der knappen Mehrheit der Republikaner in der Kongresskammer fehlen damit die notwendigen Stimmen für den Plan.

Quelle:

www.welt.de

Gesundheit: Demenzkranken mit kleinen Hilfen den Alltag erleichtern – FOCUS Online

Räumliche Veränderungen sind eine Herausforderung für Demenzkranke und deren Angehörige. Sie sollten daher möglichst behutsam vorgenommen werden. Doch was kann man tun, wenn das Leben in den eigenen vier Wänden schwieriger wird?

Leben Demenzkranke weiterhin in ihrem vertrauten Zuhause, können Angehörige ihnen mit kleinen Dingen den Alltag erleichtern. So hilft es beispielsweise, wenn sie statt eines ganzen Schlüsselbunds nur einen einzelnen Schlüssel für die Haustür bekommen.

Die „Apotheken Umschau“ (Ausgabe 7B/2017) berichtet weiter, dass alternativ farbliche Markierungen der Schlüssel empfehlenswert sind – der Schlüssel bekommt dann dieselbe Farbe wie das dazugehörige Schloss.

Ist die Krankheit fortgeschritten, und die Person zeigt das typische Weglauf-Verhalten, können Angehörige die Haustür hinter einem Vorhang oder einem Rollo verstecken. Ein Glockenspiel an der Tür macht Angehörige außerdem darauf aufmerksam, wenn jemand das Haus oder die Wohnung[1] verlässt.

Grundsätzlich sind Veränderungen für Demenzkranke eine Herausforderung. Räumliche Anpassungen sollten Angehörige also behutsam vornehmen, damit sich der Zustand nicht verschlechtert.

Fußnoten:

  1. ^ Mehr zu die Wohnung (www.focus.de)

Methadon – Wundermittel gegen Krebs? – Süddeutsche.de

  • Eine Meldung macht die Runde, dass das Opioid Methadon Hirntumorpatienten helfen kann.
  • In Laborstudien hat eine Ulmer Chemikerin entsprechende Hinweise gefunden und diese öffentlich gemacht.
  • Unter Patienten herrscht große Aufregung, Onkologen hingegen warnen massiv vor falschen Hoffnungen.
Von Felix Hütten

Man stelle sich vor, Forscher entdeckten ein Wundermittel gegen Krebs[1]; eines, das günstig ist, wirkungsvoll und weitestgehend sicher. Es wäre eine Sensation. Und genau eine solche Sensationsmeldung erzeugt im Internet derzeit mächtigen Wirbel. Anlass der Aufregung sind Forschungen der Chemikerin Claudia Friesen von der Uniklinik Ulm. Sie hat in Zell- und Tierversuchen Hinweise darauf gefunden, dass das Schmerzmittel Methadon die Wirkung einer Chemotherapie womöglich verstärkt.

Vereinfacht lautet Friesens These: Methadon hilft, die Chemotherapeutika in der Tumorzelle zu konzentrieren – und den Krebs damit effektiver zu zerstören. Hat Claudia Friesen also einen wirksamen und günstigen Ansatz gefunden, der den Kampf gegen Tumore[2] um Lichtjahre nach vorne katapultiert? Methadon ist vielen Patienten bekannt, es kommt in der Schmerztherapie und im Heroinentzug häufig zum Einsatz. Im Unterschied zu den meisten Krebsmedikamenten ist es patentfrei und günstig.

Medizin Die Ursache von Krebs ist vor allem: Pech

Die Ursache von Krebs ist vor allem: Pech[3]

Der Zufall spielt bei der Entstehung von Tumoren eine große Rolle, im Körper herrscht quasi eine Lotterie der Gene. Und doch ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Von Hanno Charisius mehr …

Stern TV“ und das ARD-Magazin „Plusminus“ haben deshalb mittlerweile Beiträge über Methadon gesendet. Darin kommt eine Patientin mit einem Hirntumor zu Wort, die während ihrer Chemotherapie Methadon eingenommen hat – allerdings nicht im Rahmen einer klinischen Studie. Die Frau berichtet jedoch, ihr Tumor sei nicht wieder gewachsen. Sie lebt. Was aber hat sie gerettet: das Methadon – oder die Chemotherapie allein? Eine Antwort darauf gibt es nicht. Dennoch debattieren in den sozialen Netzwerken nun Tausende Menschen und schreiben: „Schau mal, Mama, das könnte dir helfen.“Führende Krebsmediziner warnen unterdessen ausdrücklich vor falschen, ja gefährlichen Hoffnungen, die das Methadon-Wunder in Tausenden Krebspatienten geweckt hat. Einige Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sowie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie distanzieren sich ausdrücklich[5] von der Idee, Methadon in der Krebstherapie zu verwenden.

Ein Nutzen von Methadon gegen Krebs ist nicht belegt. Fest steht aber, dass das Mittel töten kann

Der Grund für die vehemente Ablehnung durch die Experten: Bislang wurde Methadon gegen Krebs nur im Labor getestet, an Zellen und Mäusen. Es gibt den Verdacht eines Effekts, mehr nicht. Erst in klinischen Studien an Patienten können neue Therapien aber ihre Wirksamkeit beweisen – und vom Labor ist es ein weiter Weg bis zu solchen Untersuchungen. Das bedeutet: Ein Nutzen von Methadon in der Krebstherapie von Menschen ist wissenschaftlich derzeit nicht belegt. Zugleich bleibt Methadon ein hochpotentes Opioid, das falsch angewendet tödlich wirken kann.

Daraus folgt die Frage, wie man in der Forschung mit interessanten, aber klinisch nicht getesteten Ansätzen seriös umgeht. Viele Krebserkrankungen, insbesondere Hirntumore, sind auch deshalb grausam, weil sie den Körper oft langsam, über Wochen oder Monate hinweg zerstören; in vielen Fällen können Patienten trotz Operation, Chemotherapie und Bestrahlung nicht geheilt werden. Betroffene fürchten sich und verzweifeln, sie suchen alternative Therapien. Mitunter nutzen sie auch solche, die nicht zugelassen und gefährlich sind.

Genau deshalb vermeiden seriöse Wissenschaftler allzu großes Aufsehen um experimentelle Daten – bis klar ist, ob aus einer Idee ein Medikament entsteht. Der Vorwurf also, dem sich Claudia Friesen nun ausgesetzt sieht, lautet: Sie habe viel zu früh öffentlichkeitswirksam über ihre Forschung gesprochen – und damit falsche Hoffnungen geschürt. Die Datenbasis reiche bei Weitem nicht aus, um hier von einem hoffnungsvollen Ansatz sprechen zu können, sagt Wolfgang Wick, Chef der Neurologie an der Uniklinik Heidelberg und Sprecher im Vorstand der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft.

Die Geschichte der geldgierigen Pharmalobby

„Die Idee ist gut – so wie viele andere der jährlich hundert Ideen zu diesem Thema.“ Niemand in Heidelberg habe Friesens Idee jedoch interessant genug gefunden, um sich damit weiter zu beschäftigen. Die Uniklinik Ulm sah sich sogar veranlasst[6], klarzustellen, dass jene 80 Patienten, die Methadon bereits als zusätzliches Krebsmittel schlucken, nicht im eigenen Haus und „nicht im Rahmen von klinischen Studien behandelt wurden“.

Und als wäre die Aufregung noch nicht groß genug, erzählte das ARD-Magazin „Plusminus“ die Geschichte der geldgierigen Pharmalobby, die weitere Studien zu Methadon unterdrücke – aus Angst vor Umsatzeinbußen ihrer lukrativen neuen Krebsarzneien. Für diese Lesart gibt es bislang keinerlei Belege. Dennoch wird der Mediziner[7] Wolfgang Wick diskreditiert, anstatt die fachlichen Bedenken des Mediziners ernst zu nehmen. Der ARD-Film stellt seine Kritik an der Methadon-Forschung infrage, weil er für die Pharmafirma Roche als Berater tätig war. In den sozialen Netzwerken wirkt das wie ein Brandbeschleuniger, obwohl Wick diese Tätigkeit, wie andere anerkannte Krebsforscher auch, vollständig transparent macht.

Doch längst stehen die Telefone von Onkologen und Forschern nicht mehr still. Viele Menschen sind verunsichert, aus Kliniken kommen Berichte, wonach Patienten eine Behandlung mit Methadon verlangen und laufende Behandlungen abbrechen wollen. Und die Chemikerin Claudia Friesen? Sie sagt, dass sie Methadon nie als Wundermittel bezeichnet und auch nie behauptet habe, damit Patienten heilen zu können. Letztlich, sagt Friesen, gehe es ihr um die Patienten. „Anstatt immer wieder neue Stellungnahmen zu veröffentlichen, wäre es schön, wenn Grundlagenforscher und Kliniker enger zusammenarbeiten würden.“

Das soll nun geschehen. Das Team um Wolfgang Wick hat eine klinische Studie mit Hirntumor-Patienten veranlasst, in der eine Chemotherapie in Kombination mit Methadon geprüft wird. Die Studie habe auch einen gesellschaftlichen Auftrag, sagt Wick: Ziel sei, auf Grundlage von Fakten Patienten zu beruhigen und die Debatte endlich zu versachlichen. Der Abschlussbericht wird für das Jahr 2022 erwartet.

Krebs Der Tod, Tragödie oder Triumph?

Der Tod, Tragödie oder Triumph?[8]

Ein unheilbarer Tumor drückt auf das Gehirn von Simon H., die Ärzte geben ihm nur noch wenig Zeit. Doch der Zwölfjährige sagt, nö, ich geh noch nicht. Von Felix Hütten mehr…[4][9]

Chinesisches Schattenboxen beugt Stürzen vor – Spektrum der Wissenschaft

Wenn ältere Menschen das Gleichgewicht verlieren, ist das Risiko von Knochenbrüchen und anderen Verletzungen groß. Wie lässt sich dieses Risiko verringern? Das untersuchten spanische Gesundheitsforscher in einer Metaanalyse, die sie jetzt in der Fachzeitschrift „Journal of the American Geriatrics Society“[1] veröffentlichten.

Das Team um Rafael Lomas-Vega fand zehn Experimente, bei denen Menschen ab 65 Jahren zufällig verschiedenen Sportgruppen zugeteilt worden waren; neben Tai-Chi zählten dazu Physiotherapie und einfache Gymnastikübungen. Die Teilnahme an Tai-Chi-Kursen minderte das Risiko eines Sturzes innerhalb eines Jahres um 43 Prozent und langfristig um 13 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Probanden stürzten und sich dabei verletzten, halbierte sich im Verlauf eines Jahres sogar, und langfristig lag es immer noch um ein Viertel niedriger.

Die Senioren hatten über rund drei bis sechs Monate wöchentlich zwischen ein und drei Stunden Tai-Chi-Übungen praktiziert. Der chinesische Volkssport, auch unter dem Begriff Schattenboxen bekannt, hat seine Wurzeln in der Kampfkunst und kombiniert tiefe Atemzüge mit langsamen, flüssigen Bewegungen. Laut Medizinern stärkt das Training vor allem die Knie und den Gleichgewichtssinn und beugt auf diese Weise Stürzen vor. Das so genannte Schattenboxen lindert laut älteren Studien auch Fibromyalgie[2], Kniebeschwerden[3] und psychischen Stress[4].

Fußnoten:

  1. ^ in der Fachzeitschrift „Journal of the American Geriatrics Society“ (onlinelibrary.wiley.com)
  2. ^ Fibromyalgie (www.nejm.org)
  3. ^ Kniebeschwerden (www.ncbi.nlm.nih.gov)
  4. ^ psychischen Stress (www.ncbi.nlm.nih.gov)