Schamgefühl verlängert oft Leiden | Nachrichten aus Mülheim an der Ruhr, der Stadt am Fluss

Beim nächsten WAZ-Medizinforum bewegen wir uns quasi rund um die letzten Zentimeter des Darms. Es geht um Hämorrhoiden, Abszesse, Fissuren und Fisteln und wie sie behandelt werden können. Vor allem aber wird es auch darum gehen, wie das Schamgefühl überwunden werden kann, denn viele Menschen mit derartigen Leiden verlieren oft über Jahre erheblich an Lebensqualität, was nicht sein muss, wie der Chefarzt der Chirurgie und Darmspezialist Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel erklärt.

Beim nächsten WAZ-Medizinforum bewegen wir uns quasi rund um die letzten Zentimeter des Darms. Es geht um Hämorrhoiden, Abszesse, Fissuren und Fisteln und wie sie behandelt werden können. Vor allem aber wird es auch darum gehen, wie das Schamgefühl überwunden werden kann, denn viele Menschen mit derartigen Leiden verlieren oft über Jahre erheblich an Lebensqualität, was nicht sein muss, wie der Chefarzt der Chirurgie und Darmspezialist Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel erklärt.

Er wird gemeinsam am Mittwoch, 31. Mai, um 18 Uhr mit seiner Kollegin Dr. Inga Hoheisel, Fachärztin der Chirurgischen Klinik, die Vorträge halten. Wie immer besteht im Anschluss ausreichend Zeit für die Gäste, Fragen an die Mediziner zu stellen.

Prof. Gassel wird vor allem das Thema Hämorrhoiden behandeln, ein Leiden, das ganz viele Menschen betrifft, und zwar jüngere wie ältere, Frauen wie Männer. Dabei hat zunächst jeder Mensch Hämorrhoiden. Es handelt sich um Gefäßpolster im Analkanal, die eine wichtige Aufgabe erfüllen: Es ist ein gut durchblutetes Gewebe, das durch Anschwellen den Stuhl im Darm hält. Lässt die Schwellung nach, kann der Stuhl den Darm verlassen. Ein Problem wird es, wenn diese Polster sich vergrößern. Vier Stadien werden bei der Krankheit unterschieden, so Gassel. „Im Frühstadium lässt sich das Leiden meist gut behandeln, manchmal schon durch eine Verhaltensänderung.“ Im fortgeschrittenen Stadium wird operiert. Gassel wird auch auf neue Methoden in der Chirurgie eingehen.

Mit den Krankheitsbildern von Fissuren, Abszessen und Fisteln sowie deren Behandlung wird sich an dem Abend Dr. Inga Hoheisel befassen. Fissuren treten ebenfalls sehr häufig auf, es sind Einrisse in der Schleimhaut, die unter anderem durch sehr harten Stuhlgang hervorgerufen werden können. Die Fissuren können chronisch werden, so Gassel, wenn sich am Stuhlgang nichts ändern sollte. Hier lässt sich auch mit Salbe eine Besserung erzielen.

Ernster sollten jegliche Abszesse genommen werden, Entzündungen der Analdrüsen. Diese können nicht nur höllisch weh tun, sondern auch lebensbedrohlich werden, wie der Chefarzt betont. Ebenso wie Fisteln gehöre die Behandlung von Abszessen in die Hand von Spezialisten.

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Quelle:

www.waz.de

Gezeichnetes Leid ist halbes Leid (neues-deutschland.de)

Foto: Ellen Forney

Es ist eigentlich eine sehr unwahrscheinliche Veröffentlichung: ein Manga zum Thema Hämorrhoiden. Und doch ist er im vergangenen Sommer erschienen, sogar zweibändig. Manga ist in Japan zwar ein Format für ganz diverse Themen, in Deutschland aber vorrangig im Action-, Fantasy- und Erotik-Bereich angesiedelt und eher für ein junges Publikum bestimmt. Die Idee, das vermeintliche Alte-Männer-Thema Hämorrhoiden in einem Manga zu behandeln, ist also, zumindest in Deutschland, geradezu bizarr.

Doch es funktioniert. »Kiss my Ass« ist ein klassischer Manga, angesiedelt unter Jugendlichen – erotisierte Mädchen inklusive. Das Buch ist einerseits unterhaltsam, zeigt aber andererseits in Erklärteilen, was Hämorrhoiden sind, wie sie behandelt werden können und wie ihnen vorgebeugt werden kann.

In den letzten Jahren sind etliche Comics erschienen, die sich Krankheiten und anderen körperlichen Gebrechen widmen. Der Gewinn der Bildergeschicht…

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Fit mit Babybauch: Sport während der Schwangerschaft

Ihr seid endlich schwanger? Das ist kein Argument dafür, die regelmäßigen Trainingseinheiten einzustellen. Hier erfahrt ihr, welche Sportarten ihr bedenkenlos ausüben und welche ihr lieber meiden solltet.

Sport während der Schwangerschaft kann dem Kind schaden? Von wegen! Kind und Mutter profitieren von regelmäßigen Sporteinheiten während der Schwangerschaft. Während dieser neun Monate passiert so einiges im Körper der werdenden Mutter. Je besser ihr in Form seid, umso besser kommt euer Körper mit diesen Veränderungen klar.

Bewegung während der Schwangerschaft hat jede Menge Vorteile. Wie Studien herausgefunden haben, kommen Babys sportlich aktiver Mütter vitaler auf die Welt. Darüber hinaus soll das durch die Bewegung verursachte Schaukeln des Kindes im Mutterleib dessen Entwicklung fördern. Zudem kommt Sport der Körperhaltung zugute und kann unangenehmen Schwangerschaftsbeschwerden wie Venenstau, Wadenkrämpfen oder Hämorrhoiden vorbeugen. Und ganz wichtig: Sport macht jede Menge Spaß und kurbelt die Ausschüttung von Glückshormonen fleißig an.

Hintergrund

Charlotte Würdig
Charlotte Würdig Sexy schwanger – so viel Sport ist erlaubt[1]

Bevor ihr mit dem Sportprogramm durchstartet, solltet ihr allerdings mit eurem Arzt besprechen, welche Sportarten und wie viele Einheiten gut für euch sind. Grundsätzlich gilt: nicht übertreiben, sondern moderat starten. Achtet darauf, dass euer Puls nicht höher als auf 150 Schläge pro Minute steigt.

Besonders das Herz-Kreislauf-System wird während der Schwangerschaft beansprucht. Daher tun Ausdauersportarten wie Fahrradfahren oder Schwimmen der werdenden Mama besonders gut. Sie verbessern die Kondition und helfen beim Stressabbau.

Laufen während der Schwangerschaft

Laufen ist eure Lieblingssportart? Keine Angst, ihr könnt auch während der Schwangerschaft weiter eure Runden drehen. Allerdings solltet ihr euch vorab unbedingt grünes Licht von eurem Arzt geben lassen.

Ob Laufprofi oder Laufanfänger – ihr solltet es beim Laufen moderat angehen und nicht übertreiben. Außerdem solltet ihr während der letzten zwölf Schwangerschaftswochen lieber aufs Walken umsteigen, um eure Gelenke nicht zu sehr zu belasten.

Radfahren während der Schwangerschaft

Fahrradfahren ist ebenfalls eine gute Sportart für Schwangere. Vorausgesetzt, ihr kommt ohne Beschwerden aufs Rad. Beim Radeln werden die Gelenke geschont und der Puls bleibt bei gemäßigtem Treten im moderaten Bereich.

Schwimmen während der Schwangerschaft

Schwimmen ist eine perfekte und gelenkschonende Sportart[2] während der Schwangerschaft, auch in fortgeschrittenen Schwangerschaftswochen, sofern keine Beschwerden auftreten. Wer nicht nur seine Bahnen ziehen will, kann sich auch bei Aquagymnastik oder beim Aquajogging austoben.

Yoga & Pilates während der Schwangerschaft

Die perfekte Ergänzung zum Laufen oder Schwimmen sind sanftere Sportarten wie beispielsweise Yoga oder Pilates[3]. Sie stärken das Power House und den Rücken, der in der Schwangerschaft gern mal schmerzt. Optimal sind natürlich speziell für Schwangere konzipierte Kurse. Hier achten die Trainer darauf, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden. Das ist vor allem beim Yoga sehr wichtig. Bei beiden Sportarten gilt: Die geraden Bauchmuskeln dürfen nicht trainiert werden.

Hintergrund

Sitzende Tätigkeiten und nörgelnde Chefs verlangen uns im Alltag viel ab.
Fit statt gestresst 5 Sportarten zum Entspannen[4]

Krafttraining während der Schwangerschaft

Natürlich könnt ihr während der Schwangerschaft auch nach wie vor eure Muskulatur an Geräten trainieren. Allerdings nicht, ohne das übliche Trainingsgewicht zu reduzieren und vorher mit eurem Arzt zu sprechen. Ebenso wie bei Yoga und Pilates müsst ihr auch beim Krafttraining die geraden Bauchmuskeln aussparen.

Zumba & Co. während der Schwangerschaft

Ihr liebt Kurse im Fitnessstudio? Keine Sorge, ihr könnt euch auch während der Schwangerschaft bei Zumba & Co[5]. austoben. Allerdings nur, wenn euch euer Arzt sein Okay gegeben hat, ihr Sprünge meidet und aufhört, sobald ihr merkt, dass der Bauch zu groß wird oder Beschwerden auftreten.

Ballsportarten während der Schwangerschaft

Ob Basketball, Handball oder Volleyball – Ballsportarten sind während der Schwangerschaft nicht wirklich zu empfehlen. Es handelt sich hierbei um sehr körperbetonte Sportarten, die zahlreiche Risiken für die werdende Mutter bergen.

Wintersport während der Schwangerschaft

Auch die Sportarten Skifahren, Snowboarden und Schlittenfahren solltet ihr während der Schwangerschaft lieber von eurem Trainingsplan streichen. Die Gefahr, dass ihr euch verletzen könntet, ist einfach zu groß. Wenn ihr so gar nicht auf den Wintersport verzichten wollt, könnte Langlaufen eine Alternative sein, vorausgesetzt, ihr seid dabei vorsichtig.

Noch mehr sportliche Mama-Themen:

Ihr Body lässt selbstSixpack-Mum“ alt aussehen[6][7]

Mit diesen Sportarten bekommst du deinen Rücken wieder fit[8]

MEHR LESEN [9]

Quelle:

www.bunte.de

Jucken und Blut im Stuhl

Oldenburg[1] Der aus verschiedenen Teilen bestehende Darm beginnt am Magen als Dünndarm, wird in seinem weiteren Verlauf zum Dickdarm und schließlich zum Mastdarm, der in den After übergeht. Die Hämorrhoiden bilden am Übergang des Mastdarms in den After ein kreisförmiges Gefäßpolster, das im Normalfall zusammen mit dem Schließmuskel für eine sichere Abdichtung sorgt. Der Schließmuskel verhindert den unkontrollierten Austritt von festem Stuhl, der Hämorrhoidal-Schwellkörper das unerwünschte Entweichen von Flüssigkeiten und Gasen.

Bei den meisten Menschen funktioniert dieses für die Stuhlkontinenz entscheidende Zusammenspiel für viele Jahre oder sogar lebenslang sehr gut. Dessen ungeachtet sind Hämorrhoidalleiden seit vielen Jahren ein weit verbreitetes Problem, das oft eine Vorstellung beim Arzt erfordert. In Deutschland werden pro Jahr rund 1,5 Millionen entsprechende Behandlungen gezählt, wobei die Fallzahlen seit einiger Zeit leicht rückläufig sind. Beim Auftreten von Beschwerden kann die Überweisung durch den Hausarzt an einen auf diesen Bereich spezialisierten Facharzt für Proktologie sinnvoll sein.

Vier Schweregrade

Hämorrhoidalleiden stellen sich meistens erstmals im mittleren Lebensalter ein, können aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Sie lassen sich grob in vier Schweregrade einteilen, wobei insbesondere die leichteren Fälle zumeist harmlos sind. Die damit verbundenen Beschwerden sind für viele Frauen und Männer gleichwohl eine sehr intime Angelegenheit, über die sie nicht gern sprechen. Typische erste Symptome sind ein immer wiederkehrendes oder dauerndes Brennen, Jucken und Nässen in den betroffenen Bereich. Dazu kommt häufig das unangenehme Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung. Da im Bereich der Hämorrhoiden keine entsprechenden Nervenbahnen verlaufen, sind mit unnatürlichen Vergrößerungen einhergehende Störungen nicht mit Schmerzen verbunden.

In schweren Fällen schwellen die Hämorrhoiden so weit an, dass sie aus dem After herausragen. Wenn es so weit gekommen ist, müssen sie auf eine verträgliche Größe reduziert werden. Meistens reicht dafür ein kurzer ambulanter Eingriff aus, der bei einem niedergelassenen Facharzt durchgeführt werden kann, berichtet Dr. Martin Schmidt-Lauber[2], Facharzt für Innere Medizin im Kompetenzzen­trum für Koloproktologie in Oldenburg: „Dafür können verschiedene Verfahren eingesetzt werden. Der Arzt kann die vergrößerten Hämorrhoiden beispielsweise veröden oder abbinden.“

Bei dem letzteren, besonders bewährten Verfahren wird der überschüssige Teil der Schleimhaut mit einem Gummiband abgebunden und fällt nach einigen Tagen als totes Gewebe ab. Etwa fünf Prozent der Betroffenen leiden unter einer sehr ausgeprägten Hämorrhoiden-Problematik, bei der ein ambulanter Eingriff nicht ausreicht. In diesen Fällen ist eine Operation nebst einem kurzen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus erforderlich.

Ernährung umstellen

In rund 70 Prozent verschwinden die Beschwerden nach einiger Zeit von selbst oder mit Hilfe verschiedener Maßnahmen, zu denen neben einer Umstellung der Ernährung und einer optimierten Analhygiene auch das Vermeiden von übermäßigem Pressen beim Stuhlgang gehört. Eine ärztliche Behandlung ist nötig, wenn der Betroffene über längere Zeit ernsthafte Beschwerden hat. Das gilt vor allem dann, wenn Blut im Stuhl ist, Kontinenzstörungen vorliegen oder die Hämorrhoiden nach außen gewachsen sind, betont Dr. Schmidt-Lauber: „Der Leidensdruck dieser Patienten ist oft sehr hoch. Ein Hämorrhoidalleiden bedeutet für viele ein Leben mit funktionellen Problemen, Scham und Einschränkungen im Alltag.“

Zur Diagnostik bei einem Proktologen gehört neben dem Anamnesegespräch zunächst eine genaue Begutachtung des Afters. Es folgt eine kurze Untersuchung, bei der der Darmausgang behutsam mit dem Finger abgetastet und der betroffene Bereich von innen mit einem Proktoskop begutachtet wird. „Meistens ist so nach wenigen Minuten klar, wie die Hämorrhoiden aussehen und welche Behandlung sinnvoll ist.“

Unnatürlich vergrößerte Hämorrhoiden sind zwar meistens harmlos, können aber sehr unangenehme Auswirkungen haben. Viele Betroffene leiden sehr darunter, wenn der Schwellkörper nicht mehr einen kompletten Verschluss sicherstellen kann, so dass unkontrolliert Schleim und andere Flüssigkeiten aus dem After austreten. Angestrengtes Pressen beim Stuhlgang kann zudem das Platzen von Gefäßschwellkörpern zur Folge haben, was zu Blutungen führt.

Ob und welche Therapie bei einem Hämorrhoidalleiden erforderlich ist, hängt von dem Schweregrad und den Beschwerden des Patienten ab. Sicher ist immer, dass die Hämorrhoiden im Rahmen einer Therapie nur verkleinert und nicht komplett entfernt werden, weil sie – in einer normalen Größe – entscheidend zur Schließfunktion beitragen, betont Dr. Martin Schmidt-Lauber. Einmal aufgetretene Beschwerden können nach einer erfolgreichen Behandlung komplett verschwinden, aber nach einigen Jahren aufs Neue auftreten. Das Problem kann dann mit einer erneuten Behandlung gelöst werden.

Fußnoten:

  1. ^ Oldenburg (www.nwzonline.de)
  2. ^ Martin Schmidt-Lauber (www.nwzonline.de)

Wunde heilt in wenigen Tagen

Dr. Bernhard Strittmatter (Bild) ist Vorsitzender des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands.

Frage: Wann ist bei einer Hämorrhoidenproblematik eine OP nötig?

Strittmatter: Hämorrhoiden werden entsprechend ihrer Ausprägung in vier Stadien eingeteilt. Grundsätzlich gilt, dass eine Behandlung nur beim Auftreten von Beschwerden nötig ist. In den ersten beiden Stadien reicht in der Regel eine konservative Therapie ohne OP aus. Wenn die Hämorrhoiden in einem weiter fortgeschrittenen Stadium sind und etwa aus dem Anus austreten, besteht oft die Indikation für einen chirurgischen Eingriff, der je nach Ausprägung ambulant oder in einer Klinik erfolgen sollte.

Frage: Wie läuft eine Hämorrhoiden-Operation ab ?

Strittmatter: Es gibt verschiedene gängige OP-Verfahren, die je nach Größe und Beschaffenheit der Hämorrhoiden individuell ausgewählt werden können. Eine Standrad-Technik ist die Milligan-Morgan-Methode. Dabei wird die unnatürlich vergrößerte Hämorrhoide mittels eines kleinen Schnitts reduziert, die blutversorgende Arterie mit einer Naht umstochen und der Rest der Wunde offen gelassen. Die Wunde heilt normalerweise anschließend binnen weniger Tage von selbst zu.

Frage: Gibt es Alternativen?

Strittmatter: Ja. Vor allem bei ausgeprägteren Befunden kann heute unter anderem die Ferguson-Methode eingesetzt werden, bei der die Hämorrhoide ebenfalls mit einer speziellen Klemme, die das Gewebe gleichzeitig versiegelt, entfernt wird. Anders als bei der Milligan-Morgan-Methode ist die Wunde durch die Versiegelungstechnik und die zusätzliche Naht fast komplett verschlossen.

Jucken und Blut im Stuhl

Oldenburg[1] Der aus verschiedenen Teilen bestehende Darm beginnt am Magen als Dünndarm, wird in seinem weiteren Verlauf zum Dickdarm und schließlich zum Mastdarm, der in den After übergeht. Die Hämorrhoiden bilden am Übergang des Mastdarms in den After ein kreisförmiges Gefäßpolster, das im Normalfall zusammen mit dem Schließmuskel für eine sichere Abdichtung sorgt. Der Schließmuskel verhindert den unkontrollierten Austritt von festem Stuhl, der Hämorrhoidal-Schwellkörper das unerwünschte Entweichen von Flüssigkeiten und Gasen.

Bei den meisten Menschen funktioniert dieses für die Stuhlkontinenz entscheidende Zusammenspiel für viele Jahre oder sogar lebenslang sehr gut. Dessen ungeachtet sind Hämorrhoidalleiden seit vielen Jahren ein weit verbreitetes Problem, das oft eine Vorstellung beim Arzt erfordert. In Deutschland werden pro Jahr rund 1,5 Millionen entsprechende Behandlungen gezählt, wobei die Fallzahlen seit einiger Zeit leicht rückläufig sind. Beim Auftreten von Beschwerden kann die Überweisung durch den Hausarzt an einen auf diesen Bereich spezialisierten Facharzt für Proktologie sinnvoll sein.

Vier Schweregrade

Hämorrhoidalleiden stellen sich meistens erstmals im mittleren Lebensalter ein, können aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Sie lassen sich grob in vier Schweregrade einteilen, wobei insbesondere die leichteren Fälle zumeist harmlos sind. Die damit verbundenen Beschwerden sind für viele Frauen und Männer gleichwohl eine sehr intime Angelegenheit, über die sie nicht gern sprechen. Typische erste Symptome sind ein immer wiederkehrendes oder dauerndes Brennen, Jucken und Nässen in den betroffenen Bereich. Dazu kommt häufig das unangenehme Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung. Da im Bereich der Hämorrhoiden keine entsprechenden Nervenbahnen verlaufen, sind mit unnatürlichen Vergrößerungen einhergehende Störungen nicht mit Schmerzen verbunden.

In schweren Fällen schwellen die Hämorrhoiden so weit an, dass sie aus dem After herausragen. Wenn es so weit gekommen ist, müssen sie auf eine verträgliche Größe reduziert werden. Meistens reicht dafür ein kurzer ambulanter Eingriff aus, der bei einem niedergelassenen Facharzt durchgeführt werden kann, berichtet Dr. Martin Schmidt-Lauber[2], Facharzt für Innere Medizin im Kompetenzzen­trum für Koloproktologie in Oldenburg: „Dafür können verschiedene Verfahren eingesetzt werden. Der Arzt kann die vergrößerten Hämorrhoiden beispielsweise veröden oder abbinden.“

Bei dem letzteren, besonders bewährten Verfahren wird der überschüssige Teil der Schleimhaut mit einem Gummiband abgebunden und fällt nach einigen Tagen als totes Gewebe ab. Etwa fünf Prozent der Betroffenen leiden unter einer sehr ausgeprägten Hämorrhoiden-Problematik, bei der ein ambulanter Eingriff nicht ausreicht. In diesen Fällen ist eine Operation nebst einem kurzen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus erforderlich.

Ernährung umstellen

In rund 70 Prozent verschwinden die Beschwerden nach einiger Zeit von selbst oder mit Hilfe verschiedener Maßnahmen, zu denen neben einer Umstellung der Ernährung und einer optimierten Analhygiene auch das Vermeiden von übermäßigem Pressen beim Stuhlgang gehört. Eine ärztliche Behandlung ist nötig, wenn der Betroffene über längere Zeit ernsthafte Beschwerden hat. Das gilt vor allem dann, wenn Blut im Stuhl ist, Kontinenzstörungen vorliegen oder die Hämorrhoiden nach außen gewachsen sind, betont Dr. Schmidt-Lauber: „Der Leidensdruck dieser Patienten ist oft sehr hoch. Ein Hämorrhoidalleiden bedeutet für viele ein Leben mit funktionellen Problemen, Scham und Einschränkungen im Alltag.“

Zur Diagnostik bei einem Proktologen gehört neben dem Anamnesegespräch zunächst eine genaue Begutachtung des Afters. Es folgt eine kurze Untersuchung, bei der der Darmausgang behutsam mit dem Finger abgetastet und der betroffene Bereich von innen mit einem Proktoskop begutachtet wird. „Meistens ist so nach wenigen Minuten klar, wie die Hämorrhoiden aussehen und welche Behandlung sinnvoll ist.“

Unnatürlich vergrößerte Hämorrhoiden sind zwar meistens harmlos, können aber sehr unangenehme Auswirkungen haben. Viele Betroffene leiden sehr darunter, wenn der Schwellkörper nicht mehr einen kompletten Verschluss sicherstellen kann, so dass unkontrolliert Schleim und andere Flüssigkeiten aus dem After austreten. Angestrengtes Pressen beim Stuhlgang kann zudem das Platzen von Gefäßschwellkörpern zur Folge haben, was zu Blutungen führt.

Ob und welche Therapie bei einem Hämorrhoidalleiden erforderlich ist, hängt von dem Schweregrad und den Beschwerden des Patienten ab. Sicher ist immer, dass die Hämorrhoiden im Rahmen einer Therapie nur verkleinert und nicht komplett entfernt werden, weil sie – in einer normalen Größe – entscheidend zur Schließfunktion beitragen, betont Dr. Martin Schmidt-Lauber. Einmal aufgetretene Beschwerden können nach einer erfolgreichen Behandlung komplett verschwinden, aber nach einigen Jahren aufs Neue auftreten. Das Problem kann dann mit einer erneuten Behandlung gelöst werden.

Fußnoten:

  1. ^ Oldenburg (www.nwzonline.de)
  2. ^ Martin Schmidt-Lauber (www.nwzonline.de)

Hämorrhoiden: Keine falsche Scham | Nachrichten.at

Hämorrhoiden: Keine falsche Scham

Bild: shutterstock

Hämorrhoiden: Keine falsche Scham

Umso früher man wegen seiner Hämorrhoiden-Probleme zum Arzt geht, desto einfacher und schneller sind sie wieder weg. Langes Abwarten aufgrund von Scham und Ängsten führt hingegen dazu, dass die Hämorrhoiden größer werden und die Behandlung dadurch schwieriger wird.

12. Mai 2017 – 00:02 Uhr

Eine Operation ist nur in einem weit fortgeschrittenen Stadium nötig.

Experten schätzen, dass jeder zweite Erwachsene im Laufe seines Lebens an seinen Hämorrhoiden zu leiden beginnt. Männer und Frauen sind gleichermaßen davon betroffen. Viele Jahre quält sie ein Juckreiz und kleine Blutungen. Selten treten auch Schmerzen auf. Dennoch geht nur ein Bruchteil der Betroffenen rasch zum Arzt, die Mehrheit wartet viele Jahre zu, bis die Probleme immer schlimmer werden. Manche suchen überhaupt nie einen Arzt auf.

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden

Bei Hämorrhoiden handelt sich um Gewebepolster im Enddarm, die reich an Blutgefäßen sind. Sie erfüllen ihren Zweck: Sie sicheren den Verschluss des Afters, sind wichtig für die Kontinenz. Die Hämorrhoidenpolster sind bei jedem Menschen angelegt, erst wenn sich diese Polster vergrößern und zu Beschwerden führen, spricht der Volksmund von Hämorrhoiden und der Arzt von einem Hämorrhoidalleiden.

Veranlagung und Lebensstil

Ob Hämorrhoiden zum Problem werden, liegt an der genetischen Veranlagung und auch am Lebensstil. Während erstere unveränderbar ist, kann man durch den Lebensstil das Risiko, ein Hämorrhoidalleiden zu bekommen, senken. Fettleibigkeit, chronische Verstopfung, Schwangerschaft erhöhen das Risiko. Gewichtsreduktion und Stuhlregulierung durch Ernährungsumstellung vermindern es. Viel Bewegung hilft, weil dauerhaftes Sitzen zu einer Kompression der Venen führt und ein Hämorrhoidalleiden fördert. Beim Stuhlgang sollte man nicht stark pressen, aber auch das dauerhafte Anwenden mancher Abführmittel ist schädlich. Da ballaststoffarme Kost zu hartem Stuhl und Verstopfung führt, sollte man auf ballaststoffreiche Ernährung umsteigen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter täglich).

Wann zum Arzt?

Viele Menschen leiden an einem ständigen Juckreiz am After und an gelegentlichen kleinen Blutungen und fragen sich, ob sie damit zum Arzt gehen sollen. Ein klares Ja dazu kommt von Dr. Werner Haidinger, Allgemeinmediziner und Facharzt für Chirurgie in Linz: „Bei chronischen Jucken sollte man sich untersuchen lassen, denn meist ist ein Hämorrhoiden-Problem die Ursache.“

Hämorrhoiden zeigen bestimmte Symptome: Neben dem Juckreiz tritt meist eine kleine Blutung auf. Sie zeigt sich in Form von frischem, hellrotem Blut am Stuhl oder Toilettenpapier. Manchmal treten auch Brennen, Schmerzen, ein Druckgefühl und Hautreizungen auf. Blut am Stuhl sollte in jedem Fall abgeklärt werden, da dahinter auch andere Erkrankungen stehen können. Haidinger: „Bei jüngeren Patienten reicht meist eine Untersuchung des Afters aus, bei älteren Menschen mit Blut am Stuhl rate ich dringend zur Durchführung einer Koloskopie.“

Eigenbehandlung wenig zielführend

Viele Betroffene scheuen einen Arztbesuch und versuchen ihr Leiden mittels Salben zu lindern. „Salben, die man ohne Rezept bekommt, können das Jucken maximal kurzfristig lindern, aber sie lösen das Problem nicht. Rezeptpflichtige und kortisonhältige Salben können zwar helfen, da man sie aber nur kurze Zeit anwenden sollte, sie sind keine Dauerlösung“, sagt Haidinger. Das triftigste Argument für einen Arztbesuch: Das Hämorrhoiden-Problem verschwindet nur in den wenigsten Fällen von selbst. Im Gegenteil: Meistens verschlimmert es sich im Laufe der Zeit. Lässt man es dagegen behandeln, wird es sich in vielen Fällen durch eine einmalige Behandlung rasch und effizient bessern.

Patienten aufklären

Für viele Menschen sind Hämorrhoiden immer noch ein Tabuthema, worüber sie nicht sprechen wollen, auch nicht mit einem Arzt. „Hämorrhoiden hat man nicht. Diese Einstellung gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Man schämt sich für sein Problem und verschweigt es. Selbst wenn ein Betroffener endlich in die Praxis kommt, gibt er nur sehr zögerlich zu, dass er schon seit Jahren darunter leidet. Nach der Behandlung hört man dann oft: wenn ich gewusst hätte, dass die Behandlung so harmlos und schmerzfrei ist und eine sofortige Besserung eintritt, wäre ich schon viel früher gekommen“, sagt Haidinger.

Die Beschwerden lassen sich meist sehr einfach durch eine Verödung beseitigen. Eine kurze Untersuchung, die vielleicht nicht angenehm ist, muss man zwar über sich ergehen lassen, doch die Behandlung selbst ist in den meisten Fällen völlig schmerzlos und dauert nur wenige Sekunden.

Angst vor Operationen

Betroffene haben häufig große Angst vor einer möglichen Operation und einer daraus resultierenden Inkontinenz. Auch in diesen Fällen ist ein frühzeitiger Arztbesuch angeraten. Denn je früher eine Behandlung beginnt, umso geringer ist die Notwendigkeit einer Operation. Falls doch operiert werden muss, ist der chirurgische Eingriff umso geringer, je früher die Operation erfolgt. „Ein Großteil der Operationen ließe sich verhindern, wenn die Patienten frühzeitig zur Behandlung kommen würden. Viele Patienten hören offenbar Schauermärchen über die Folgen einer Operation und glauben sie auch. Sie fürchten sich vor Schmerzen und Inkontinenz. Natürlich ist das nicht völlig ausgeschlossen, doch es tritt äußerst selten auf“, sagt Haidinger.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Ist ein ständiger Juckreiz das einzige Symptom, dann ist eine Operation nicht nötig, denn es liegt Schweregrad I oder II vor. In diesen Stufen und oft auch in Stufe III reicht ein minimaler Eingriff, nämlich eine Verödung der Hämorrhoiden aus. Bei der Verödung wird Gewebe schmerzfrei reduziert. Der Arzt unterspritzt die Hämorrhoide mit einem Wirkstoff, der sie rasch schrumpfen lässt. Der Vorgang dauert nur einige Sekunden, danach ist der Patient meist wieder frei von Beschwerden.

Bei Schweregrad III (Juckreiz, Blutungen, die Schwellkörper treten beim Pressen aus dem After aus) besteht auch die Möglichkeit einer Gummibandligatur. „Hier werden die Hämorrhoidalpolster mit Gummibändern abgebunden. Das Gewebe stirbt ab und wird samt dem Band mit dem Stuhl ausgeschieden. Die für die Kontinenz so wichtigen Grundeigenschaften bleiben voll erhalten. Diese Methode funktioniert in der Regel problemlos wird ambulant durchgeführt und man erspart sich dadurch meist eine Operation“, erklärt Haidinger. Sollte die Behandlung nicht wirken, oder nicht ausreichen, dann kann im Stadium III alternativ auch eine HAL-RAR (Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur/Recto-Anal-Reparatur) Operation erfolgen. Auch dabei wird kein Gewebe entfernt, sondern dieses wird gerafft, sodass nach der OP im Idealfall keine Schmerzen zu erwarten sind.

Nur in den Fällen der Kategorie IV ist eine Operation samt Entfernung von Gewebe fast unumgänglich. „Es gibt heute eine Reihe von schmerzarmen Eingriffsmöglichkeiten, wodurch das Hämorrhoidalleiden seinen ursprünglichen Schrecken aus früheren Zeiten sicherlich verloren hat“, beruhigt der Chirurg.

Dr. Thomas Hartl

Mai 2017

Bild: shutterstock

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Fußnoten:

  1. ^ Forum Gesundheit (www.nachrichten.at)