Eine Frage Des Stils: Wer nicht(s) hören will…

Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, wird heute regelmäßig von anderen Menschen mit akustischen Reizen aller Art versorgt. Musik aus dem Smartphone des Sitznachbarn in der Bahn kann dabei ebenso nerven wie Telefonate, die man nicht belauschen mag. Da hilft nur Widerspruch. Notfalls laut.

Neulich im Fitnessstudio. Bettina fühlte sich beim Umziehen nach dem Training entspannt und mit der Welt im Reinen. Bis eine andere Sportlerin die Umkleide betrat und wohl beschloss, dass sie ohne angemessene Beschallung keinesfalls in ihr Fitness-Outfit schlüpfen könne. Und so dröhnte aus den (überraschend leistungsstarken) Lautsprechern ihres Smartphones bald ein Schlager, der ihr sichtlich Freude, Bettina aber Bauchschmerzen verursachte. Sagen mochte sie trotzdem nichts.

Hätte sie’s mal ruhig gemacht! Es wird ja häufig schon problematisch, wenn es um den angemessenen (physischen) Abstand zu einer anderen Person geht. Aber dass es auch nicht in Ordnung ist, Mitmenschen akustisch auf die Pelle zu rücken, ist für viele noch schwerer einsehbar. Nach dem Motto: Meine Lieblingsmusik mag doch jeder! Und mein privates Telefonat mit Oma ist meine Sache! Nur dass das leider ein Trugschluss ist, und bei Telefonaten anderer nervt ja oft noch besonders, dass man sich bei Interesse die Hälfte der zwangsweise belauschten Konversation dazudichten muss.

Wenn Sie also selbst gern in der Bahn Musik hören oder eine Folge Ihrer Lieblingsserie auf dem Laptop ansehen: Setzen Sie Kopfhörer auf und testen Sie vor dem ersten Einsatz, wie viel nach außen dringt. Wo Kopfhörer nicht gehen: Verzichten Sie. Oder fragen Sie (bei kleinen Gruppen) die Anwesenden, ob sie sich gestört fühlen. Wenn alle Lust auf „Kuschelrock 99“ haben, spricht nichts dagegen – knappe Mehrheitsentscheidungen reichen da aber nicht. Der eigene Balkon ist ein Sonderfall: Hier dürfte Zimmerlautstärke ein Richtwert dafür sein, was okay ist – je nach baulichen Gegebenheiten. Umgekehrt dürfen Sie natürlich andere immer freundlich um Ruhe bitten, wenn Sie sich gestört fühlen. Schwierig werden kann das leider bei der Beschallung im Supermarkt, die wieder mehr in Mode zu kommen scheint. Immerhin wird hier meist auf dezente Lautstärke und gut ausblendbare Musik gesetzt!

Telefonate in der Supermarkt-Schlange sollte man leise führen und sehr kurz halten; allzu private Themen gehören eh nicht in die Öffentlichkeit. Eine Freundin von mir pflegt in solchen Fällen übrigens gern den Telefonierenden freundlich anzutippen und dann nicht allzu leise etwas zu sagen wie: „Vielleicht müsste Ihre Tante nur mal eine andere Hämorrhoiden-Salbe ausprobieren.“ Meist scheint den Angesprochenen dann klar zu werden, dass sie keine schallschluckenden Wände um sich haben. Die Lösung eignet sich trotzdem nur für Mutige – und in schweren Fällen.

Haben Sie eine Frage des Stils? Dann mailen Sie an: stilfrage@rheinische-post.de[1]

Quelle: RP

Fußnoten:

  1. ^ stilfrage@rheinische-post.de (www.rp-online.de)

Von Darmkrankheiten und anderen Leiden

Wildeshausen[1] Das Krankenhaus Johanneum Wildeshausen hat sein Programm für die zweite Jahreshälfte mit Vorträgen und Seminaren zu Medizin, Pflege und Fitness vorgelegt. Die Broschüre liegt in Praxen von Ärzten und Physiotherapeuten, Apotheken, öffentlichen Einrichtungen sowie im Johanneum zum Mitnehmen aus.

Die kostenlose medizinische Vortragsreihe startet mit dem Thema „Hämorrhoiden & Co. – Kein Tabu!“ am Montag, 28. August, um 19.30 Uhr im Café Johanneum[2]. Ives Garre[3], Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie wird die Teilnehmer über wirksame Therapien bei Enddarmerkrankungen informieren.

Mit einem Nordic-Walking-Grundkursus beginnt das Aktivprogramm am Donnerstag, 10. August, um 14.30 Uhr. Der Kursus führt während der acht Termine in die Grundtechniken des Nordic-Walkings ein. Erster Treffpunkt sind die Räumlichkeiten der Physiotherapie im Krankenhaus Johanneum[4].

Nach einer Pause wieder im Programm: „Massagen für Kopf, Rücken, Arme und Beine“. Ab Mittwoch, 18. Oktober, werden die Basistechniken der klassischen Massage vermittelt. Die sechs einstündigen Übungseinheiten beginnen jeweils um 16 Uhr in den Räumlichkeiten der Physiotherapie. Kosten: 48 Euro.

Anmeldungen für die Kurse aus dem Bereich Fitness unter Telefon   0 44 31/9 8 287 50 oder per E-Mail an kurse@krankenhaus-johanneum.de.

Außerdem bietet das Pflegezentrum[5] Johanneum jeden ersten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr die Möglichkeit zu Pflegeberatungsgesprächen mit Pflegedienstleiter Thomas Möhle. Eine Anmeldung unter Telefon   0 44 31/ 9 82 60 00 ist erforderlich.

28. August: Hämorrhoiden & Co.– Kein Tabu!, Wirksame Therapien bei Enddarmerkrankungen, 19.30 Uhr, Café Johanneum

4. September: Offener Abend: Rund um die Geburt, 19.30 Uhr, Café Johanneum

18. September: Wenn die Hüfte streikt – Wann ist eine Prothese sinnvoll?, 19 Uhr, Café Johanneum

25. September: Diagnose Reizdarm – Was ist zu tun?, 19.30 Uhr, Café Johanneum

16. Oktober: Dem Schlaganfall vorbeugen – Carotisstenose erkennen und behandeln, 19.30 Uhr, Café Johanneum

23. Oktober: Warum schmerzt die Gelenkprothese? Problemanalyse und Therapiemöglichkeiten, 19 Uhr, Café Johanneum

2. November: „Das schwache Herz“: Diagnose und Therapie von Herzinsuffizienz, 19.30 Uhr, Café Johanneum

6. November: Knieschmerzen Paroli bieten: Ursachen und moderne Therapieverfahren, 19 Uhr, Café Johanneum

20. November: Viel zu dick: Effiziente Therapie von Adipositas, 19.30 Uhr, Café Johanneum

27. November: Leistenbruch – Wann und wie behandeln? Verfahren der modernen Hernienchirurgie bei Leisten-, Nabel- und Narbenbrüchen, 19.30 Uhr, Café Johanneum

4. Dezember: Offener Abend: Rund um die Geburt, 19.30 Uhr, Café Johanneum

11. Dezember: Alarmsignal Schulterschmerz – Ursachen, Diagnose und Behandlungsoptionen, 19 Uhr, Café Johanneum

Fußnoten:

  1. ^ Wildeshausen (www.nwzonline.de)
  2. ^ Johanneum (www.nwzonline.de)
  3. ^ Ives Garre (www.nwzonline.de)
  4. ^ Krankenhaus Johanneum (www.nwzonline.de)
  5. ^ Pflegezentrum (www.nwzonline.de)

Ginko ist gut fürs Gehirn

Spaichingen sz Der Ginko ist ein prächtiger Baum, der auch in unseren Gefilden einmal heimisch war. Er kann über 1000 Jahre alt und bis zu 40 Meter hoch werden, seine Heimat sind Japan und China. Schriftlichen Aufzeichnungen nach wird das Ginkoblatt bereits seit 2800 Jahren heilkundlich genutzt.

Die Blätter können Asthma, Bronchitis, Husten, Frostbeulen, Tuberkulose, nervöse Mägen und allgemein nervöse Zustände heilen. Das aus Blätterpulver zubereitete Wundpflaster wird deshalb gerne verwendet, ebenso bei Hautkrankheiten. Ginko wird auch bei uns inzwischen bei allen möglichen Beschwerden eingesetzt, und das ist falsch. In seinem vorgesehenen Verwendungsbereich ist er jedoch durch seine Inhaltsstoffe unschlagbar. Wir verwenden ausschließlich die männlichen und weiblichen Blätter und die vom weiblichen Baum stammenden Nüsse.

Im Laufe der Jahrzehnte erleiden wir große geistige Einbußen. Man muss etwas gegen die nachlassende Gehirn-Durchblutung unternehmen. Ginko sorgt dafür, dass das Blut auch in die feinsten Blutgefäße fließen kann. In klinischen Studien wurde nachgewiesen, wie erfolgreich Ginko bei Demenz eingesetzt werden kann – umso wirkungsvoller, je weniger weit diese Erkrankung des Gehirns fortgeschritten ist. Bei leichteren Fällen kommt es zu einem Stopp der Krankheit, in schweren Fällen zumindest zu einer Verbesserung. Man kann davon ausgehen, dass Ginko eines der besten Mittel gegen Durchblutungsstörungen und arterielle Verschlüsse ist. Keine andere Kreislauf fördernde Heilpflanze hat eine so anregende Wirkung auf gesunde, aber auch beschädigte Hirnbezirke.

Ginko vermindert die Neigung zu Thrombosen in Venen und Arterien, wirkt arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen, vor allem bei älteren Menschen, entgegen –deshalb verbessert sich auch deren Gehfähigkeit. Die positive Auswirkung auf die Mikro-Zirkulation in der Bindehaut der Augen ist klinisch nachgewiesen. Kluge Ärzte und Heilpraktiker verordnen diese nebenwirkungsfreie Pflanze als Tropfen und Tabletten immer häufiger.

Alzheimer-Patienten sprechen auf Ginko-Präparate hervorragend an, besonders, wenn sie diese lange genug einnehmen. Selbst bei einer fortgeschrittenen Alzheimer-Erkrankung kommt es zu einer Verlangsamung der Krankheit. Mindestens ein Jahr müssen täglich etwa 40mg Ginko eingenommen werden. Nebenwirkungen gibt es nicht.

Weitere positive Auswirkungen sind nicht nur die Verbesserung der Gedächtnisleistung: Wer an häufigen Kopfschmerzen, Depressionen, Durchblutungsstörungen, Taubheit (Innenohr-Störungen), Hormonstörungen oder an den Auswirkungen von Diabetes leidet, sollte die Heilpflanze versuchen und nach Absprache mit seinem Therapeuten in der richtigen Dosierung verwenden. Als Antioxidant baut Ginko freie Radikale ab, von denen bekannt ist, dass sie die Energieversorgung der Körperzellen empfindlich stören. Die aggressiven Sauerstoff-Verbindungen schädigen die Mitochondrien (das sind die Kraftwerke der Zellen) und auch der Nervenzellen. Ginko stabilisiert die Zellwände und rüstet gegen den Angriff der freien Radikalen auf.

Die gerösteten Samen gelten in Ostasien als Delikatesse. In Läden mit fernöstlichen Spezialitäten findet man sie als Pa-Kewo. Sie schmecken ähnlich wie Pistazien.

Die wirksamen Bestandteile der Blätter können in Alkohol oder Wasser gelöst werden. Der Tee ist angebracht bei Schlafstörungen, mangelnder Durchblutung, Kältegefühl in den Gliedmaßen, Herzrhythmusstörungen, Venenschwäche, Hämorrhoiden, Arterienverkalkung und häufiger Konzentrationsschwäche.

Ginkowein: eine Flasche Bio-Weißwein über zwei Handvoll zerhackte Ginko-Nüsse gießen, zwei Esslöffel gepulverte Ginko-Blätter hinzufügen. Für den guten Geschmack eine halbe Vanilleschote und ein paar Kardamomkörner dazugeben, je nach Geschmack etwas Zimtrinde und eine Stange Zitronengras. Die Mischung zwei Wochen abgedeckt stehen lassen, gelegentlich aufrühren. Danach in Flaschen füllen und verkorken. Täglich ein Schnapsgläschen voll zur Stärkung trinken.

Ginko und Knoblauch verbessern die Peripherie der oberflächlichen Blutzirkulation, Weißdorn die Herzdurchblutung, Rosskastanie die venöse Durchblutung. Steht man vor einer Operation, muss der Einsatz dieser Heilkräuter dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden, weil Ginko, Knoblauch und Ginseng die Verstärkung der Blutungsneigung bei Operationen bewirken.

Ginko kann rezeptfrei in Apotheken erworben werden. Diese Präparate sind immer auf ihren Wirkstoffgehalt hin geprüft.

Igitt! 5 krasse Fehler, die wir auf dem Klo machen

Sind wir echt zu blöd, um auf die Toilette zu gehen?! Naja, es gibt zumindest Fehler, die wir täglich auf dem Klo machen, doch nur die wenigsten wissen darüber wirklich Bescheid.

Darmerkrankungen, Hämorrhoiden oder Verstopfungen – das können KRASSE KONSEQUENZEN sein, wenn wir das Klo „falsch“ benutzen. Fehler beim Toilettengang können zu ernsthaften Krankheiten führen. Kukksi verrät dir, welcher Fehler du nie machen solltest.

  • Die Sitzhaltung ist ein großes Problem und kann unter anderem zu Hämorrhoiden führen. Bei einer falschen Sitzhaltung kann der Druck auf den Darm einfach zu groß sein – du solltest dich beispielsweise nicht nach vorne lehnen, sondern gerade sitzen.
  • Du solltest keinesfalls eng pressen oder den Stuhlgang erzwingen.
  • Vor langen Sitzungen warnen Experten ebenfalls. Zwei Minuten sollten demnach ausreichen.
  • Die wenigsten machen sich Gedanken über das Toilettenpapier. Zu raues Toilettenpapier kann jedoch zu kleinen Hautverletzungen führen.
  • Wischt von vorne nach hinten ab. So kannst du verhindern, dass Darmbakterien in die Scheide gelangen.

Quelle:

www.kukksi.de

«Um Gottes willen, die Werbung für Hämorrhoiden-Creme» – SonntagsZeitung

Seit seinem Durchbruch in der Serie «Breaking Bad» ist Bryan Cranston das gefragteste Faltengesicht Hollywoods. Letztes Jahr wurde der 61-Jährige für seine Rolle als griesgrämiger Drehbuchautor Dalton Trumbo in «Trumbo» für einen Oscar nominiert, derzeit ist er in der Amazon-Serie «Sneaky Pete» zu sehen. Beim Treffen erweist er sich als fröhlicher Grimassenschneider, der die Anekdoten aus seinem Leben nicht nur gern erzählt, sondern am liebsten auch vorspielt – selbst wenn nur ein ­Zuschauer im Raum ist.

Stimmt es, dass sie ­ursprünglich gar nicht ­Schauspieler, sondern Polizist werden wollten?
Ja. Ich habe als Jugendlicher meine Polizeiausbildung begonnen.

Und was ist dann passiert?
Schuld war ein Mädchen. Ich wollte mal in den Schauspielkurs der Akademie reinschnuppern, um zu sehen, was die da so machen. Der Dozent verteilte Zettel mit Spielübungen, und zufälligerweise stand neben mir dieses wunderschöne Mädchen. Wir bekamen folgende Aufgabe: Ein Paar knutscht auf einer Parkbank.

Goodbye, Polizei.
Von diesem Moment an war klar, dass das mit Law & Order nichts wird.

Und wie war der Kuss?
Ich habe in dem Moment komplett vergessen, dass es nur eine Übung war. Ich dachte mir: Geküsst hast du sie ja schon, da kannst du sie auch noch zum Essen einladen. Aber sie schaute mich nur mitleidig an und sagte: «Sorry Kleiner, ich hab einen Freund.»

Waren Ihre Eltern skeptisch, als Sie ihnen mitteilten, dass Sie Schauspieler werden wollten?
Nein, meine Eltern waren nicht in der Position, sich darüber beschweren zu dürfen. Sie haben sich getrennt, als ich elf war. Mein Vater ist danach abgehauen, meine Mutter hatte Probleme mit dem Alkohol und wurde depressiv. Ich bin dann bei meinen Grosseltern aufgewachsen, die übrigens aus Deutschland stammten, aus Hamburg.

Grosseltern sind oft ­nachsichtiger als Eltern.
Im Gegenteil! Mein Bruder und ich wollten zunächst nicht zu ihnen aufs Land ziehen, weil wir wussten, dass sie im besten deutschen Sinne streng waren. Im Rückblick war es aber genau das, was wir damals brauchten. Ein beständiges Umfeld, auf das man sich verlassen konnte. Für sie war es okay, dass ich die Schauspielerei ausprobieren wollte. Nur mich selbst musste ich noch überzeugen, dass das nicht doch eine Schnapsidee war.

Wie haben Sie das angestellt?
Durch eine Art Selbstfindungstrip. Kurz nach der Sache mit dem Kuss sind mein Bruder und ich mit den Motorrädern durch die USA gereist. Meistens haben wir im Freien übernachtet, ab und zu gejobbt. Als ich danach zurück nach Los Angeles kam, hatte ich mich entschieden: Ja, ich will Schauspieler werden.

Ich habe ein paar hübsche alte Sachen von Ihnen aus den Achtzigern auf Youtube ­entdeckt.
Um Gottes willen, meinen Sie die Werbung für Hämorrhoiden-Creme?

Sich für nichts zu schade: Der 24-jährige Cranston preist in schmierigen Werbespots die Hämorrhoiden-Creme «Preparation H» an. Foto:PD

Zum Beispiel. Oder diese eine «Baywatch»-Folge aus dem Jahr 1989. Da spielen Sie einen Rowdy, der sich mit den ­Rettungsschwimmern anlegt
. Oh je, das tut mir leid! Ich hoffe, Sie haben sich das nicht ganz angeschaut. Aber es war eben ein Job, und wenn man als Schauspieler anfängt, muss man alles nehmen. Das ist nicht immer künstlerisch erfüllend, aber der Gehaltscheck ermöglicht es einem, Schauspieler zu bleiben – bis eine bessere ­Gelegenheit kommt.

Konnten Sie wirklich schon am Anfang von der Schauspielerei leben?
Nein. Ich habe in Restaurants und Kneipen gekellnert und Trucks beladen, um was dazuzuverdienen. Eine Zeit lang habe ich auch bei einer Video-Dating-Firma gearbeitet. Da musste ich die Kunden interviewen und die Gespräche aufzeichnen, um sie dann mit diesem Band an potenzielle Partner zu vermitteln. Ich glaube, ich war ganz gut.

Malcolm mittendrin, 2000–2006 Sein Engagement als Vater in der lustigen Familienserie (mit 44) war eine Art Durchbruch – nach Jahren kleiner Auftritte. Foto: PD

Richtig berühmt sind Sie dann erst mit Anfang fünfzig ­geworden. Hat das auch Vor­teile, ein Spätzünder zu sein?
Bei mir war es so, und das ist schon in Ordnung. Aber ich hatte in meiner beruflichen Laufbahn nie das Gefühl, dass ich ein bestimmtes Level erreichen muss. Ich wollte einfach regelmässig arbeiten. Und wenn man ein bisschen Glück hat, kommt was Tolles des Weges.

Wie «Breaking Bad».
Ich habe sehr davon profitiert, dass sich das Fernsehen so grundlegend verändert hat. Durch die vielen Kabelsender und die Streaming-Dienste drängen viel mehr Anbieter als früher in den Markt, und der Konkurrenzdruck ist so gross geworden, dass auch die Qualität gestiegen ist. «Breaking Bad» ist dafür das perfekte Beispiel. Das hätte noch vor ein paar Jahren niemand finanzieren wollen. Aber der Sender AMC wollte eine aussergewöhnliche Serie, um Zuschauer anzulocken. Also hat er sich getraut.

Was war das Besondere an «Breaking Bad»?
Früher gab es viele Serien mit Protagonisten, die als schlechte Menschen begannen und dann geläutert wurden. Aber eine Figur wie Walter White, der als guter Mensch anfängt und dann zum Bad Guy wird, vom Lehrer zum Drogen­hersteller, das hatte es noch nicht gegeben.

Haben Sie von Anfang an den Erfolg der Serie geglaubt?
Überhaupt nicht. Mit Vince Gilligan, dem Erfinder der Serie, habe ich am Anfang viel darüber diskutiert, aber wir hatten ehrlich gesagt keine Ahnung, ob die Zuschauer das sehen wollen. Dass die Show ein Hit wird, habe ich erst sehr spät gemerkt. Etwa um die dritte Staffel herum.

Breaking Bad, 2008–2013: Mit der Rolle des Walter White, eines krebskranken Chemielehrers, der Crack kocht, um die Familie zu ernähren, und zum gefürchteten Drogenboss mutiert, sprengte Cranston alle Formate. Er erhielt dafür unzählige Auszeichnungen – da war er schon über fünfzig.

Erstaunlich, dass Sie überhaupt eine zweite und dritte Staffel machen durften, obwohl der Erfolg am Anfang ausblieb.
Bei einem der grossen Sender wären wir nach der ersten Staffel weg vom Fenster gewesen. Es haben zunächst wirklich wenig Leute eingeschaltet! Ein Lehrer, der Drogen herstellt? Hä? Das lief irgendwie nicht. «Breaking Bad» hat eine behutsame Dramaturgie, nicht so viel Effekthascherei wie andere Serien. Die Geschichte entwickelt sich langsam. Aber was sich daraus entwickelt, hat die Leute irgendwann fasziniert, es hatte fast eine hypnotische Wirkung. Und siehe da, plötzlich haben das immer mehr Menschen so gesehen, und wir hatten einen Hit.

Fehlt Ihnen Walter White manchmal?
Nein. Es ist jetzt vier Jahre her, dass wir die Serie abgeschlossen haben – und mir fehlen die Menschen, mit denen ich sie gemacht habe. Wir sind über die Jahre zusammengewachsen wie eine Familie, da erlebt man Hochzeiten und Scheidungen, Todesfälle und Geburten, das schweisst zusammen. Aber wir mussten die Serie ja nicht mittendrin wegen Misserfolgs beenden, wir durften sie nach unserem Willen zu Ende erzählen. Deshalb habe ich mit Walter abgeschlossen.

Sie haben ein paar Episoden selbst als Regisseur inszeniert, wie schon zuvor bei der Comedy-Serie «Malcolm mittendrin», in der Sie ebenfalls gespielt haben. Wie kommt der Regisseur Bryan Cranston mit dem Schauspieler Bryan Cranston zurecht?
Der Regisseur Bryan Cranston hält den Schauspieler Bryan Cranston selbstverständlich für ein Genie und macht ihm den ganzen Tag Komplimente! Gute Arbeit, Bryan, du warst wundervoll! Nein, im Ernst, das hat bei diesen Serien gut funktioniert, weil ich meine Rollen ja schon in- und auswendig kannte. Ich wusste, wie ich meine Szenen spielen muss, damit es sich in die Handlung einfügt, also konnte ich es auch inszenieren.

Würden Sie gerne wieder als Regisseur arbeiten?
Ja, sehr gerne. Ich habe kürzlich ein Drehbuch für einen Kinofilm geschrieben, den ich auch inszenieren möchte. Wir versuchen gerade, das zu finanzieren. Es geht um einen erfolgreichen FBI-Agenten, der überraschend kündigt und mit seiner Frau und seinem Sohn in den Mittleren Westen zurückkehrt, in ein kleines, ländliches Städtchen, in dem aber schlimme Sachen passieren. Es ist eine Vater-Sohn-Geschichte.

Wie schwer ist es denn, Geld dafür aufzutreiben?
Sehr schwer. Kunst und Kommerz sind immer noch komplizierte Weggefährten. Vor allem im Kino. Dabei sind Independent-Filme[1] doch genau das Genre, bei dem die Leute hinterher nicht einfach mit den Schultern zucken und ins Bett gehen, sondern vielleicht noch ein Bier trinken und sich über das, was sie gesehen haben, unterhalten. So wie über «Breaking Bad».

Sie streiten gerne über Kunst?
Ich liebe es, mich über Kunst zu streiten. Das Schöne daran ist, dass es keine falschen Antworten gibt. Wir beide können uns vor ein Gemälde stellen, und ich sage: Toll! Und Sie sagen: Nein, das ist scheisse. Und beide Meinungen sind richtig. Wenn man sich die Politik anschaut, gibt es da einen fatalen Hang, darüber zu streiten, wer recht hat und wer nicht. In der Kunst bilden verschiedene Meinungen im Idealfall eine Brücke, sodass man sich näherkommt.

Sehen Sie das als Ihre zentrale Aufgabe, Brücken zu bauen?
Das, und natürlich schöne Frauen zu küssen. Ich durfte beruflich viele schöne Damen küssen, ich bin ein Glückspilz. Aber abends gehe ich immer zurück zu meiner Frau.


Bryan Cranstons neue Serie «Sneaky Pete» kann bei Amazon Video geschaut werden (in der Schweiz kann der Streaming-Dienst für ca. 6 Franken monatlich abonniert werden, www.primevideo.com[2]) (SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 15:13 Uhr

Fußnoten:

  1. ^ Filme (www.tagesanzeiger.ch)
  2. ^ www.primevideo.com (www.primevideo.com)

«Um Gottes willen, die Werbung für Hämorrhoiden-Creme» – SonntagsZeitung

Seit seinem Durchbruch in der Serie «Breaking Bad» ist Bryan Cranston das gefragteste Faltengesicht Hollywoods. Letztes Jahr wurde der 61-Jährige für seine Rolle als griesgrämiger Drehbuchautor Dalton Trumbo in «Trumbo» für einen Oscar nominiert, derzeit ist er in der Amazon-Serie «Sneaky Pete» zu sehen. Beim Treffen erweist er sich als fröhlicher Grimassenschneider, der die Anekdoten aus seinem Leben nicht nur gern erzählt, sondern am liebsten auch vorspielt – selbst wenn nur ein ­Zuschauer im Raum ist.

Stimmt es, dass sie ­ursprünglich gar nicht ­Schauspieler, sondern Polizist werden wollten?
Ja. Ich habe als Jugendlicher meine Polizeiausbildung begonnen.

Und was ist dann passiert?
Schuld war ein Mädchen. Ich wollte mal in den Schauspielkurs der Akademie reinschnuppern, um zu sehen, was die da so machen. Der Dozent verteilte Zettel mit Spielübungen, und zufälligerweise stand neben mir dieses wunderschöne Mädchen. Wir bekamen folgende Aufgabe: Ein Paar knutscht auf einer Parkbank.

Goodbye, Polizei.
Von diesem Moment an war klar, dass das mit Law & Order nichts wird.

Und wie war der Kuss?
Ich habe in dem Moment komplett vergessen, dass es nur eine Übung war. Ich dachte mir: Geküsst hast du sie ja schon, da kannst du sie auch noch zum Essen einladen. Aber sie schaute mich nur mitleidig an und sagte: «Sorry Kleiner, ich hab einen Freund.»

Waren Ihre Eltern skeptisch, als Sie ihnen mitteilten, dass Sie Schauspieler werden wollten?
Nein, meine Eltern waren nicht in der Position, sich darüber beschweren zu dürfen. Sie haben sich getrennt, als ich elf war. Mein Vater ist danach abgehauen, meine Mutter hatte Probleme mit dem Alkohol und wurde depressiv. Ich bin dann bei meinen Grosseltern aufgewachsen, die übrigens aus Deutschland stammten, aus Hamburg.

Grosseltern sind oft ­nachsichtiger als Eltern.
Im Gegenteil! Mein Bruder und ich wollten zunächst nicht zu ihnen aufs Land ziehen, weil wir wussten, dass sie im besten deutschen Sinne streng waren. Im Rückblick war es aber genau das, was wir damals brauchten. Ein beständiges Umfeld, auf das man sich verlassen konnte. Für sie war es okay, dass ich die Schauspielerei ausprobieren wollte. Nur mich selbst musste ich noch überzeugen, dass das nicht doch eine Schnapsidee war.

Wie haben Sie das angestellt?
Durch eine Art Selbstfindungstrip. Kurz nach der Sache mit dem Kuss sind mein Bruder und ich mit den Motorrädern durch die USA gereist. Meistens haben wir im Freien übernachtet, ab und zu gejobbt. Als ich danach zurück nach Los Angeles kam, hatte ich mich entschieden: Ja, ich will Schauspieler werden.

Ich habe ein paar hübsche alte Sachen von Ihnen aus den Achtzigern auf Youtube ­entdeckt.
Um Gottes willen, meinen Sie die Werbung für Hämorrhoiden-Creme?

Sich für nichts zu schade: Der 24-jährige Cranston preist in schmierigen Werbespots die Hämorrhoiden-Creme «Preparation H» an. Foto:PD

Zum Beispiel. Oder diese eine «Baywatch»-Folge aus dem Jahr 1989. Da spielen Sie einen Rowdy, der sich mit den ­Rettungsschwimmern anlegt
. Oh je, das tut mir leid! Ich hoffe, Sie haben sich das nicht ganz angeschaut. Aber es war eben ein Job, und wenn man als Schauspieler anfängt, muss man alles nehmen. Das ist nicht immer künstlerisch erfüllend, aber der Gehaltscheck ermöglicht es einem, Schauspieler zu bleiben – bis eine bessere ­Gelegenheit kommt.

Konnten Sie wirklich schon am Anfang von der Schauspielerei leben?
Nein. Ich habe in Restaurants und Kneipen gekellnert und Trucks beladen, um was dazuzuverdienen. Eine Zeit lang habe ich auch bei einer Video-Dating-Firma gearbeitet. Da musste ich die Kunden interviewen und die Gespräche aufzeichnen, um sie dann mit diesem Band an potenzielle Partner zu vermitteln. Ich glaube, ich war ganz gut.

Malcolm mittendrin, 2000–2006 Sein Engagement als Vater in der lustigen Familienserie (mit 44) war eine Art Durchbruch – nach Jahren kleiner Auftritte. Foto: PD

Richtig berühmt sind Sie dann erst mit Anfang fünfzig ­geworden. Hat das auch Vor­teile, ein Spätzünder zu sein?
Bei mir war es so, und das ist schon in Ordnung. Aber ich hatte in meiner beruflichen Laufbahn nie das Gefühl, dass ich ein bestimmtes Level erreichen muss. Ich wollte einfach regelmässig arbeiten. Und wenn man ein bisschen Glück hat, kommt was Tolles des Weges.

Wie «Breaking Bad».
Ich habe sehr davon profitiert, dass sich das Fernsehen so grundlegend verändert hat. Durch die vielen Kabelsender und die Streaming-Dienste drängen viel mehr Anbieter als früher in den Markt, und der Konkurrenzdruck ist so gross geworden, dass auch die Qualität gestiegen ist. «Breaking Bad» ist dafür das perfekte Beispiel. Das hätte noch vor ein paar Jahren niemand finanzieren wollen. Aber der Sender AMC wollte eine aussergewöhnliche Serie, um Zuschauer anzulocken. Also hat er sich getraut.

Was war das Besondere an «Breaking Bad»?
Früher gab es viele Serien mit Protagonisten, die als schlechte Menschen begannen und dann geläutert wurden. Aber eine Figur wie Walter White, der als guter Mensch anfängt und dann zum Bad Guy wird, vom Lehrer zum Drogen­hersteller, das hatte es noch nicht gegeben.

Haben Sie von Anfang an den Erfolg der Serie geglaubt?
Überhaupt nicht. Mit Vince Gilligan, dem Erfinder der Serie, habe ich am Anfang viel darüber diskutiert, aber wir hatten ehrlich gesagt keine Ahnung, ob die Zuschauer das sehen wollen. Dass die Show ein Hit wird, habe ich erst sehr spät gemerkt. Etwa um die dritte Staffel herum.

Breaking Bad, 2008–2013: Mit der Rolle des Walter White, eines krebskranken Chemielehrers, der Crack kocht, um die Familie zu ernähren, und zum gefürchteten Drogenboss mutiert, sprengte Cranston alle Formate. Er erhielt dafür unzählige Auszeichnungen – da war er schon über fünfzig.

Erstaunlich, dass Sie überhaupt eine zweite und dritte Staffel machen durften, obwohl der Erfolg am Anfang ausblieb.
Bei einem der grossen Sender wären wir nach der ersten Staffel weg vom Fenster gewesen. Es haben zunächst wirklich wenig Leute eingeschaltet! Ein Lehrer, der Drogen herstellt? Hä? Das lief irgendwie nicht. «Breaking Bad» hat eine behutsame Dramaturgie, nicht so viel Effekthascherei wie andere Serien. Die Geschichte entwickelt sich langsam. Aber was sich daraus entwickelt, hat die Leute irgendwann fasziniert, es hatte fast eine hypnotische Wirkung. Und siehe da, plötzlich haben das immer mehr Menschen so gesehen, und wir hatten einen Hit.

Fehlt Ihnen Walter White manchmal?
Nein. Es ist jetzt vier Jahre her, dass wir die Serie abgeschlossen haben – und mir fehlen die Menschen, mit denen ich sie gemacht habe. Wir sind über die Jahre zusammengewachsen wie eine Familie, da erlebt man Hochzeiten und Scheidungen, Todesfälle und Geburten, das schweisst zusammen. Aber wir mussten die Serie ja nicht mittendrin wegen Misserfolgs beenden, wir durften sie nach unserem Willen zu Ende erzählen. Deshalb habe ich mit Walter abgeschlossen.

Sie haben ein paar Episoden selbst als Regisseur inszeniert, wie schon zuvor bei der Comedy-Serie «Malcolm mittendrin», in der Sie ebenfalls gespielt haben. Wie kommt der Regisseur Bryan Cranston mit dem Schauspieler Bryan Cranston zurecht?
Der Regisseur Bryan Cranston hält den Schauspieler Bryan Cranston selbstverständlich für ein Genie und macht ihm den ganzen Tag Komplimente! Gute Arbeit, Bryan, du warst wundervoll! Nein, im Ernst, das hat bei diesen Serien gut funktioniert, weil ich meine Rollen ja schon in- und auswendig kannte. Ich wusste, wie ich meine Szenen spielen muss, damit es sich in die Handlung einfügt, also konnte ich es auch inszenieren.

Würden Sie gerne wieder als Regisseur arbeiten?
Ja, sehr gerne. Ich habe kürzlich ein Drehbuch für einen Kinofilm geschrieben, den ich auch inszenieren möchte. Wir versuchen gerade, das zu finanzieren. Es geht um einen erfolgreichen FBI-Agenten, der überraschend kündigt und mit seiner Frau und seinem Sohn in den Mittleren Westen zurückkehrt, in ein kleines, ländliches Städtchen, in dem aber schlimme Sachen passieren. Es ist eine Vater-Sohn-Geschichte.

Wie schwer ist es denn, Geld dafür aufzutreiben?
Sehr schwer. Kunst und Kommerz sind immer noch komplizierte Weggefährten. Vor allem im Kino. Dabei sind Independent-Filme[1] doch genau das Genre, bei dem die Leute hinterher nicht einfach mit den Schultern zucken und ins Bett gehen, sondern vielleicht noch ein Bier trinken und sich über das, was sie gesehen haben, unterhalten. So wie über «Breaking Bad».

Sie streiten gerne über Kunst?
Ich liebe es, mich über Kunst zu streiten. Das Schöne daran ist, dass es keine falschen Antworten gibt. Wir beide können uns vor ein Gemälde stellen, und ich sage: Toll! Und Sie sagen: Nein, das ist scheisse. Und beide Meinungen sind richtig. Wenn man sich die Politik anschaut, gibt es da einen fatalen Hang, darüber zu streiten, wer recht hat und wer nicht. In der Kunst bilden verschiedene Meinungen im Idealfall eine Brücke, sodass man sich näherkommt.

Sehen Sie das als Ihre zentrale Aufgabe, Brücken zu bauen?
Das, und natürlich schöne Frauen zu küssen. Ich durfte beruflich viele schöne Damen küssen, ich bin ein Glückspilz. Aber abends gehe ich immer zurück zu meiner Frau.


Bryan Cranstons neue Serie «Sneaky Pete» kann bei Amazon Video geschaut werden (in der Schweiz kann der Streaming-Dienst für ca. 6 Franken monatlich abonniert werden, www.primevideo.com[2]) (SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 15:13 Uhr

Fußnoten:

  1. ^ Filme (www.tagesanzeiger.ch)
  2. ^ www.primevideo.com (www.primevideo.com)

Kleines Fußbänkchen hilft beim Stuhlgang

Langes Sitzen, Pressen und Drücken: Verstopfung[1] plagt viele Menschen. Dass die Sitzposition schuld an ihrem Problem sein könnte, vermuten die wenigsten. Doch es stimmt: Die Haltung, die wir auf der Toilette einnehmen, ist alles andere als optimal.

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Das aufrechte Sitzen auf der Toilette kann die Probleme verschlimmern: „Bei der normalen Toilettenposition ist der Enddarm leicht geknickt, was die Entleerung beziehungsweise die vollständige Entleerung erschwert“, erklärt Professor Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum in Krefeld und Vorstandsmitglied der Gastro-Liga. Schuld ist der innere Schambein-Mastdarm-Muskel, der sich in der aufrechten Sitzhaltung nicht komplett entspannen kann.

Ein steiler Winkel zwischen Darm und After verbessert den Stuhlgang. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Ein steiler Winkel zwischen Darm und After verbessert den Stuhlgang. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kleiner Fußschemel erleichtert den Stuhlgang

Besonders wer unter einer Stuhlentleerungsstörung leidet, kann von einem Fußbänkchen profitieren. Auf dieses stellt man seine Füße, während man auf der Toilette sitzt. Der dadurch entstehende steilere Winkel zwischen Darm und After sorgt dafür, dass sich der Enddarm begradigt und der Stuhl leichter herausgleiten kann. „Ideal ist eine Höhe zwischen 20 und 30 Zentimetern“, empfiehlt Frieling. „Dann befinden Sie sich in der natürlichen Hockstellung, in der bereits unsere Vorfahren saßen. Die Entleerung klappt so am einfachsten.“

Hämorrhoiden und Analfissuren vorbeugen

Doch der kleine Schemel hat noch weitere Vorteile. „Da man in der Hockstellung auf der Toilette weniger pressen muss, können vergrößerten Hämorrhoiden[3] und Analfissuren, also kleinen Schleimhauteinrissen am After, vorgebeugt werden“, erklärt der Experte und rät, bei Problemen mit Verstopfung das Bänkchen einfach mal auszuprobieren. „Falsch machen können Sie da nichts.“ Es gibt spezielle Toiletten-Fußbänkchen zu kaufen, doch ein schlichter Fußschemel tut ebenfalls seinen Dienst, solange er die richtige Höhe hat.

Denkerpose für leichteren Stuhlgang

Zudem kann es helfen, auf der Toilette die sogenannte Denkerpose einzunehmen. Zu diesem Ergebnis kamen die beiden Ärzte Shigetsugu Takano und Dana Sands. In ihrer Forschungsarbeit „Einfluss der Körperhaltung auf den Stuhlgang: eine prospektive Studie der ‚Denkerposition‘“[4] konnten sie zeigen, dass es die Stuhlentleerung erleichtert, wenn man den Oberkörper dabei nach vorne neigt, die Ellenbogen in Nähe der Knie auf die Oberschenkel stützt und den Kopf in die Hand legt. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin „Techniques in Coloproctology“.

Den Darm nicht stressen

Für welche Variante man sich auch entscheidet: „Manchmal braucht der Darm einfach etwas länger, bis er aktiv wird“, sagt Frieling. „Man sollte sich entspannen und warten, bis die natürliche Darmmotorik einsetzt“, so sein Tipp. Mit Zeitdruck geht man also besser nicht auf Toilette.

 Für eine gute Verdauung: ausreichend trinken

Die Sitzhaltung allein kann allerdings keine Wunder vollbringen. Wichtig ist auch, dass man auf einen gesunden Lebensstil achtet. Wer ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, sorgt für einen weichen Stuhl und stimuliert die Darmaktivität. Ballaststoffe[5] aus Obst[6], Gemüse[7] und Vollkornprodukten machen den Stuhl voluminöser und weicher. Regelmäßige Bewegung regt die Eigenbewegung des Darms an. Lässt sich die Verstopfung nicht bekämpfen, sollte man einen Arzt um Rat fragen. Nur wenn die Ursache bekannt ist, lassen sich die Beschwerden langfristig behandeln.

Weitere Informationen zum Thema Verstopfung finden Interessierte auf den Seiten der Gastro-Liga[8].

Fußnoten:

  1. ^ Verstopfung (www.t-online.de)
  2. ^ Darm (www.t-online.de)
  3. ^ Hämorrhoiden (www.t-online.de)
  4. ^ Forschungsarbeit „Einfluss der Körperhaltung auf den Stuhlgang: eine prospektive Studie der ‚Denkerposition‘“ (www.ncbi.nlm.nih.gov)
  5. ^ Ballaststoffe (www.t-online.de)
  6. ^ Obst (www.t-online.de)
  7. ^ Gemüse (www.t-online.de)
  8. ^ Seiten der Gastro-Liga (www.gastro-liga.de)